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Schlagwort-Archive: Tod

Anthropologitäten

Immer wieder interessant, sich selbst zu beobachten und Obskuritäten festzustellen: Wenn ich in Formaldehyd eingelegte Organe oder Menschenknochen sehe, macht sich nicht der erwartete ekelnde Schrecken breit, sondern ein leichtes Lächeln des Wiedererkennens und Neugierde.

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Verfasst von - 19. Februar 2014 in Naturwissenschaft, Studium, Wien

 

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Bücher, die man gelesen haben muss – März

Bücher die man gelesen haben mussIch weiß, ich bin spät dran – aber dafür kann ich versprechen, dass ich mein Märzbuch auch tatsächlich rechtzeitig fertiggelesen habe! Sogar mit dem April bin ich durch, aber dazu ein anderes Mal mehr.

Letzten Monat ging es um ein Buch, auf das ich schon ziemlich neugierig war und das ich mir in einer altmodischen Version gebraucht über Amazon bestellt habe: Daphne du Mauriers ‚Rebecca‘. Der Titel suggeriert, dass die Hauptprotagonistin diesen Namen trägt, doch ist Rebecca viel mehr eine mysteriöse Eminenz, die gar nicht handelnd auftritt – schließlich ist sie während der ganzen Geschehnisse bereits tot.

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Verfasst von - 25. April 2013 in Andere Blogs, Kultur, Lesen

 

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KITSCH!

– zum Musical ‚Elisabeth‘, März 2013 im Wiener Raimund-Theater

Wie bereits kurz erwähnt, war ich letztens relativ spontan in ‚Elisabeth‘ – eine Freundin auf Kursfahrt hatte mir die Studenten-Restkarten, die es ab einer halben Stunde vor Vorstellungsbeginn an der Abendkasse gäbe, empfohlen, und so machte ich mich frühzeitig auf den Weg. Doch ach – es standen bereits einige Leute an, und mindestens zehn Minuten früher hatte man mit dem Restkartenverkauf begonnen. Wäre ich doch noch etwas eher dort gewesen… Ein Grund, unzufrieden zu sein, war dies jedoch eigentlich nicht, denn immerhin bekam ich für 15 Euro einen Platz in der sechsten Reihe, im rechten Teil des Parketts – im regulären Vorverkauf hätte ich dafür 69 Euro hinblättern müssen. Win!

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Verfasst von - 10. März 2013 in Kultur, Lesen, Musik, Wien

 

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Heute kein Bild für dich

Nein, dieser Beitrag soll sich nicht Germany’s oder Austria’s next Topmodel widmen. Der Titel zeigt schlicht und ergreifend an, dass es hier kein Foto geben soll, in direkter Verbindung zum eigentlichen Thema: Keine Weitergabe von Bildmaterial, das ich in Univeranstaltungen gesammelt habe.

Nicht, dass die Uni generell was dagegen hat – aber in meinem Anthropologie-Studiengang gibt es, wie auch bei den Medizinern, ein paar Sonderregeln, an die man sich halten muss, genauer: Respekt gegenüber toten Menschen.

In meinen derzeitigen/ bisher absolvierten Übungen (Merkmalsvariationen am Skelett und Skelettmorphologie) wurde jedes Mal darauf aufmerksam gemacht, dass man zwar gern für den persönlichen ‚Gebrauch‘ (sich das Ganze nochmal zu Hause anschauen oder Bilder in eine im Praktikum gehaltenen Präsentation einbauen beispielsweise) fotografieren dürfe, die Bilder allerdings nicht öffentlich gezeigt oder online gestellt werden dürften. Auch bezüglich möglicher Teilnahme an (bei uns leider aus dem Studienplan gestrichenen) Sezierkursen oder der Inanspruchnahme des ‚Studierkammerls‘ zum Lernen auf der Anatomie vergaßen die Professorinnen nicht, zu erwähnen, dass dies verboten sei – kein Wunder, wenn man sich Beispiele aus der Vergangenheit ansieht.

Vor ein paar Jahren ist es vorgekommen, dass Studierende dieses Verbot, das damals vielleicht noch nicht so nachdrücklich erläutert wurde, missachtet und Fotos hochgeladen haben, ob nun auf einer privaten Website oder auf einer Plattform wie Facebook, weiß ich nicht mehr genau, es ist auch eher irrelevant. Irgendjemand stieß darauf, versuchte, die entsprechenden Personen zu kontaktieren und aufzufordern, die Bilder zu entfernen, doch es folgte keine Reaktion. Stattdessen wurde ein Rechtsverfahren eingeleitet, mit der Folge, dass die Missetäter exmatrikuliert wurden – kein schöner Ausgang, und mit Sicherheit abschreckend genug für die meisten Studenten, die sich doch überlegt haben, ‚Leichenmaterial‘ im Internet oder sonst wie zu verbreiten. Und möglicherweise noch – besonders stilvoll – grinsend neben dem einen oder anderen zu posieren.

Natürlich fände ich es schön, das eine oder andere Bild auch mit Leuten zu teilen, die keinen besonderen (ausbildungsmäßigen/ beruflichen) Zugang zur Anthropologie haben. Gewissermaßen als Lehrmittel, ohne dass diejenigen, die davon erfahren und es ansehen und darüber lesen können, Medizin, Biologie oder etwas ähnliches studieren müssen. Andererseits kann ich das gegensprechende Argument des Respekts gegenüber Verstorbenen, die sich teilweise willentlich für die Benutzung ihrer toten Körper zum Lehren und Lernen entscheiden, sehr gut nachvollziehen. In den Unterlagen zu einem meiner Praktika steht bei den Lernzielen vermerkt: „Verantwortungsvoller und pietätvoller Umgang mit menschlichen Knochen.“

Und wer sich für das Thema interessiert, der hat heutzutage einige Möglichkeiten, sich damit zu beschäftigen – sei es mittels

  • oft kriminalistisch angehauchter Serien (ich sollte mir tatsächlich dringend mal ‚Bones‘ reinziehen), auch wenn diese nicht ganz professionell die entsprechenden Berufe zeigen,
  • Dokumentationen, von denen ich besonders ‚Rest in Peace‘ (hier der Trailer auf der zugehörigen Seite) empfehlen möchte, bei dem es um verschiedene Gesichtspunkte des Todes und was danach mit den menschlichen Überresten geschieht, geht (derzeit nach meiner Information nur hier käuflich zu erwerben, aber ganz toll – unter anderem mit dem wunderbaren Dr. Mark Benecke, der sich hauptsächlich mit Insekten auf Leichen beschäftigt, einer mexikanischen Sängerin auf dem Día de los Muertos, einem Bestatter und Leichenherrichter und einem Mitarbeiter bei einem Einfrierungs-und-vielleicht-mal-Wiederbelebungs-Unternehmen),
  • medizinischer oder naturwissenschaftlicher Museen und Ausstellungen, beispielsweise ‚Körperwelten‘ (diskutabel, ob pietätlos und tatsächlich im Willen der Verstorbenen oder nicht) oder gerade hier in Wien den Narrenturm am Unicampus oder das Josephinum (in dessen Gebäude auch mein medizinethisches Seminar stattfindet, sofern es nicht gerade ausfällt wie die letzten beiden Donnerstage X_x),
  • oder schlicht und ergreifend einem Haufen Bücher, welche es fachlich oder innerhalb einer Story anschneiden.

Und zum Posieren habe ich immer noch Oswald, mein lebensgroßes Plastikskelett. (:

Zum Abschluss noch kurz zu dem, was ich aktuell in einer Übung mache: In ‚epigenetische/ nichtmetrische Merkmalsvariationen am Skelett‘ geht es um besagte Variationen – hier ein Höckerchen und da ein Loch zu viel oder zu wenig – und Krankheiten, die man am Skelett feststellen kann. Dafür untersuchen wir teils allein, teils in Gruppen Schädel und ein (mehr oder minder) komplettes Awarenskelett, also von einem Mitglied eines aus Asien stammenden Reitervolkes, dass im ersten nachchristlichen Jahrtausend auch hier in der Gegend zugange war, wie Wikipedia sagt. Ziemlich alte Knochen also. Entsprechend sind die meisten Porösitäten auch keine Pathologien, sondern liegen an der jahrhundertelangen Lagerung im Boden.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 10. November 2012 in Biologie, Blog, Studium, Wien

 

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Déjà-lu

Meine kürzlich gelesenen Bücher (also, frühestens Jahresanfang) in Mini-Zusammenfassung. Reihenfolge zufällig.

  • Markus Zusak – Die Bücherdiebin (586 erschütternd schöne Seiten)

Wahnsinnig gut. Ich spiele mit dem Gedanken, einen separaten Eintrag darüber zu verfassen, weil der Roman bzw. Kommentare so vielschichtig ist/ sind. Nur so viel sei gesagt: Die Geschichte spielt im zweiten Weltkrieg und wird erzählt vom Tod höchstpersönlich. Form und Stil sind außergewöhnlich.

  • Ulrich Wickert – Vom Glück, Franzose zu sein (240 französische Seiten auf Deutsch)

Habe ich vor langer Zeit zu lesen begonnen und (sonst nicht meine Art) nun nahtlos daran angesetzt, weil das Buch ohnehin in inhaltlich nicht so viel miteinander gemeinsam habende Kapitel unterteilt ist. Die ersten waren, wie ich mich erinnere, noch sehr alltagsbezogen, bei den letzten ging es sehr in Politik und Wirtschaft hinein – für mich leider weniger spannend.

  • Glück muss man haben!

Schon wieder was mit Glück. Jah, okay, es ist ein Geschenkbuch. XD Aber sehr süß! Und das Design sagte mir zu. Außerdem gehen die Zitate/ Gedichte auf verschiedene Interpretationen vom Glücksbegriff ein, was ich interessant finde.

  • Susanne Rohner – Knigge. Erfolgreich durch gutes Benehmen (93 kleine, feine Seiten)

…hab ich eigentlich meinem Freund zum Geburtstag geschenkt. x) Aber man soll ja schenken, was man selbst gern hätte, nich…? Und er kann’s bestimmt mal gebrauchen. Wenn er’s je lesen sollte.

Brachte mir meine Mutter von einem ermäßigte-Exemplare-Stand mit, wofür ich ihr sehr dankbar bin. (: Über eine zersplitternde (jüdische) Familie in den USA. Die bisher unauffällige Tochter entdeckt beim (typisch amerikanischen) Buchstabierwettbewerb endlich ein herausragendes Talent, welchem der Vater – Kantor in der Synagoge und ständig vertieft in mystische Schriften – besonders große Beachtung schenkt. Dafür vernachlässigt er das bisherige Wunderkind, seinen älteren Sohn, der sich infolgedessen auf Erkundungstour bei anderen religiösen Gemeinschaften begibt. Die Mutter, Anwältin, findet dafür längst keine Erfüllung mehr in ihrer Beziehung und erweitert deshalb ihr geheimes kleptomanisches Hobby… Gerade zu Beginn klang die Geschichte sehr interessant, was mit Sicherheit auch an dem besonderen Humor und gewissen Kommentaren und Beschreibungen lag, die mich sehr an den Erzähler von ‚Die fabelhafte Welt der Amélie‘ erinnerten. Im Laufe des Romans verliert die Story jedoch leider, leider etwas an Fahrt. Meiner Meinung nach dennoch lesenswert.

Geschrieben von einem jungen Komiker, der darin seine seltsame Wohngemeinschaft mit einem aufdringlichen kommunistischen Känguru in kurzen, unterwegs super zu lesenden Kapiteln beschreibt. Bekam ich von meiner Patin zum Geburtstag (oder zu Weihnachten). Amüsant, irgendwann aber auch wieder etwas ermüdend weil repetativ. Manche (extrem kurze) Kapitel hätte man sich sparen können.

Im Wien der vorletzten Jahrhundertwende sucht ein ehemaliger Soldat mit überdurchschnittlichem Geruchssinn etwas, das seinem Leben Bedeutung verleiht – in der Schokoladenfabrik seines Onkels, wo er außergewöhnliche Kreationen schafft, sowie in der Liebe der faszinierend außergewöhnlichen Elena Palffy. Doch das Glück erfährt seine Höhen und Tiefen – und ließ mich als Leserin am Schluss etwas ratlos und voller Fragen zurück. Authentisch und fesselnd geschrieben, vom Ex-Geschichtslehrer einer guten Freundin. ^^

Die meisten davon habe ich geschenkt bekommen, und meine Meinungen fallen etwas zwiespältig aus. Extrembeispiele: Kalix und Die Bücherdiebin. Okay, ersteres hab ich gewonnen und zweiteres ist von einem Autor geschrieben, der sich auch von meiner Amazon-Wunschliste (ugh, die sollte ich vielleicht mal auf den neuesten Stand bringen) pflücken lässt… Aber ich denke, ich kann mich prinzipiell mit sehr vielen verschiedenen Büchern/ Romanen/ Genres anfreunden.

Ich habe es immerhin geschafft, in den letzten Tagen und Wochen sehr viele Werke verschlungen zu haben, yay! Es wartet andererseits auch noch mindestens ein Bücherregal voll darauf, zum Zuge zu kommen. Ich glaube, sie sind verbreitungsgeil und spekulieren auf eine Erwähnung im Blog… Ô.o Naja, zuerst kommt vermutlich ‚Chemie für Biologen‘ von Latscha/ Kazmaier dran, ich hab mir vorgenommen, in einem Monat die Chemieprüfung abzulegen. Drückt mir die Daumen. :]

 

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It’s oh so quiet…

Folgenden Text spann ich mir gerade in einem Messenger zusammen, nachdem ich mich darüber mokiert hatte, dass irgendwelche Mädchen im Wohnheim genau jetzt grässlich laut und mit furchtbaren Stimmen die Nachtruhe störten. (Der Titel stammt vom gleichnamigen Song von Björk.) Ich betone hierbei, dass ich keinesfalls ernsthafte Gedanken dieser Art hege, nicht dass jemand auf schräge Ideen kommt. (;

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Der unbekannte Rächer richtete vor dem schlichten Flurspiegel noch einmal seinen Hut und band sich das schwarze Cape um, zwei Utensilien, die ihn schon so oft zu seinen selbst gegebenen Aufträgen begleitet hatten.Lautlos öffnete er die Zimmertür und ließ sie hinter sich mit einem leisen Klicken einrasten. Dann schritt er auf leisen Sohlen den kurzen Gang entlang ins Treppenhaus, wo die schrillen Mädchenstimmen immer lauter, immer unerträglicher wurden. Nein, diese akustische Belästigung hat keine Menschenseele verdient, dacht er.
Kurz lauschte der Rächer, ob sich die Störenfriede in einem Stockwerk über oder unter ihm befanden, und schnell machte er aus, dass er sich nach unten in die erste Etage begeben musste, um seine geheime Arbeit zu verrichten. Wie ein Schatten drückte er sich an die Wand, während er die Stufen nach unten nahm. Kein Laut ging von ihm aus, und selbst wenn, wäre das von dem hysterischen Lachen und Jubeln der jungen Frauen übertönt worden.
Als er um die Ecke bog, erkannte er, dass die Tür halb offen stand. Sie hatten sich nicht einmal die Mühe gemacht, sie zu verschließen, um die anderen Mitbewohner drei Stunden nach Beginn der Nachtruhe nicht zu stören. Die wohlbekannte Ignoranz meiner Zeitgenossen, fuhr es dem Rächer durch den Kopf. Schon immer war es ihm ein wichtiges Bedürfnis gewesen, in diesem Sinne für Gerechtigkeit zu sorgen.
Mit einem schnellen Satz gelangte er an die Wand neben der Küchentür, ohne dass ihn eine aus der Gruppe bemerkt hätte. Mit der linken Hand griff er nach der Rauchbombe in seiner Hosentasche, mit seiner Rechten tastete er nach dem Messer im Gürtel.
Just in diesem Moment schrie drinnen jemand auf, als hätte die Person bereits seine Klinge zu spüren bekommen. Das irritierte ihn, obwohl er genau wusste, dass nichts Schlimmes geschehen sein konnte. Wahrscheinlich hatte sie nur jemand im Spaß gepiekst.
Er durfte nicht zu lange nach denken, sich nicht zu viel Zeit lassen. Sonst würde noch jemand aus den Gängen oder über die Treppen kommen und ihn sehen, ein schwarzer Schatten, an die kalkweiße Wand gepresst. Nicht die beste Tarnung. Bevor er noch weitere wertvolle Minuten vergeuden konnte, warf er die entzündete Rauchbombe mit einem geübten Schwung seines linken Handgelenks in den Raum hinein.

Bald, aber nicht sofort erklangen verwirrte Stimmen – wahrscheinlich war ihre Wahrnehmung bereits von alkoholischen Getränken beeinträchtigt. Umso besser.
Das mit Staubpartikeln angereicherte Gas verteilte sich sehr schnell im Raum, noch bevor eine der Insassen auf die Idee kommen könnte, die Küche zu verlassen. Der Rächer hatte sich beim Kauf gut informiert.
Ohne einen Mucks von sich zu geben, glitt er durch den Türspalt und hatte selbst leichte Probleme, sein erstes Opfer auszumachen. Jetzt, nachdem sie in der ersten Verwirrung laute Worte gewechselt hatten, waren sie sehr leise. Hätten sie damit nur früher angefangen…
Der Rächer merkte, wie die Erste mit sich am Kühlschrank entlangtastenden Händen näher kam, und fuhr ihr mit der scharfen Klinge des Meuchelmessers so schnell über den Hals, dass sie nicht einmal mehr ein Gurgeln von sich gab. Als er ihren Sturz abfing, um keinen Krach zu machen, erkannte er sie an den blonden Haaren und der krummen Nase. An ihren Namen konnte er sich nicht mehr erinnern, doch sie hatte ihn manchmal gegrüßt, wenn sie aneinander vorbeigekommen waren.
„Eh, Kati, wo bischdn“, rief eine Stimme ohne fragenden Ton, dafür aber in gewisser Weise gebieterisch. Und schon näherte sich der dazu passende Schatten, der weit weniger bäuerlich-stämmig aussah, als die ordinäre Stimme mit dem entsprechenden Dialekt geklungen hatte. Der Rächer tippte zum unsichtbaren Gruß gegen seinen Hut, dann schnitt er auch ihr die Kehle durch und legte sie auf ihre Freundin, deren Namen er nun kannte.
Gerade rechtzeitig, denn nun kam das nächste Mädchen zu ihm in Richtung Küchentür. Bei ihr war es etwas schwieriger. Sie schien etwas gewittert zu haben, denn als er Hand an sie legte, ruderte sie noch heftig mit den dünnen Armen, sodass ihm beinahe seine Waffe entglitten wäre. Doch nach ihrem Tod machte auch sie keine Umstände mehr.
Er wusste nicht, ob sie die Letzte gewesen war, denn er hatte die Anzahl der Anwesenden zuvor auf drei bis vier geschätzt. Still huschte er durch den gesamten Raum, lugte unter die beiden kleinen Tische und sogar hinter die Ecke, auf der das Radio stand. Niemand mehr da.

Er öffnete die Fenster sperrangelweit, damit der Rauch abziehen konnte. Dann verließ er den Tatort. Das Wichtigste war, nun niemandem zu begegnen, und so hörte er erst jede Richtung ab, bevor er sich zurück in seine Etage schlich. Kein Mensch kam ihm in die Quere. Glück gehabt.
Er begab sich wieder in das Zimmer, noch immer darauf bedacht, bloß keine Geräusche zu verursachen. Sicher wollten die anderen Heimbewohner nun endlich ihre wohlverdiente Mütze Schlaf bekommen, und er würde sie nicht weiter daran hindern, nachdem er für Ruhe gesorgt hatte.
‚Das hätten wir erledigt‘, murmelte er also im Zimmerflur, entledigte sich erleichtert des Capes und des Hutes, die mit sich immer eine gewisse Verantwortung auf sein Haupt und seine Schultern legten. Nun wusch er im Badezimmer sorgfältig und vorsichtig das Messer ab. Er kehrte in den Wohnraum zurück, kniete sich neben das Bett seiner Mitbewohnerin, die bäuchlings dalag und nun schon in einen Halbschlaf gefallen war, strich ihr über den Kopf und flüsterte mit freundlicher Stimme: ‚Jetzt kannst du in Ruhe schlafen.‘
Er betrachtete das Mädchen, das sich nur bis zu ihrer Hüfte zugedeckt hatte, sodass ihr tätowiertes Pik auf dem linken Schulterblatt zu sehen war, und ihm schien, als würde es sich mit einem Lächeln bedanken. Doch er war sich nicht sicher, ob sie seine Worte verstanden hatte oder schon träumte.
 
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Verfasst von - 8. Februar 2011 in Alltag, Kreatives

 

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Tag 18 am 18.4.

ACHTUNG: WEIL ICH VERGESSEN HATTE, DEN ARTIKEL VON GESTERN AUCH GESTERN ZU VERÖFFENTLICHEN, STEHT ER NUN HIER – OBERHALB DES ARTIKELS VOM 19.4.. WER DEN (WESENTLICH KÜRZEREN!) ARTIKEL VON HEUTE JETZT LESEN MÖCHTE, DER MÖGE RUNTERSCROLLEN ODER FÜR IMMER SCHWEIGEN.

Ich weiß nicht, ob sich so eine Parallelität nochmal in der Präabiphase einstellt, aber nett ist das allemal. Tag 18 ist der 18te. Hach. Da fällt mir ein, heute hat eine Exfreundin von mir (ich war mit ihr nicht ‚zusammen‘, ’nur‘ befreundet; macht dieses Jahr mit mir an derselben Schule Abi) Geburtstag. Sie wird das wohl nie lesen, aber: Happy Birthday! (; Auf dass auch deine Abivorbereitung ertragreich sein möge. Immerhin hat sie ja auch Spanisch-LK.

Womit wir schon mitten im Thema des Tages wären. Heute hab ich nach einer einigermaßen wachmachenden Dusche eine Spanisch-opinión geschrieben zum Thema „El periodismo: ¿plaga o bendición de nuestra época?“, welches – wie der geneigte Romanist natürlich sofort herausgefunden hat – auf Deutsch heißt: „Journalismus: Fluch oder Segen unserer Zeit?“ Ich hab irgendwas zu durchgeknallten Paparazzi bei Britney Spears und professionellen, glaubwürdigen Journalisten, die zur Meinungsbildung in nationalem und internationalem Kontext beitragen, geschrieben. Und dass man sich dann eben fragen soll, ob man lieber die neueste Ausgabe von „El País“ oder von „Hola“ (Regenbogenpresse) kaufen sollte. (Was nicht heißen soll, dass ich mir nie ein Modemagazin gekauft hab. *glucks* Manchmal braucht man dieses oft etwas weniger niveauvolle, aber einnehmende, locker-leichte Gefühl, wirklich ein Mädchen zu sein. XD) Zumindest hab ich versucht, mich mit nur zweieinhalb Argumenten kurz zu fassen.

Anschließend hab ich drei Texte gelesen und einen davon, weil ich ihn ein bisschen seltsam fand, übersetzt. Zugegebenermaßen mithilfe von leo.org, aber ich wollt’s halt perfektionieren. Das heißt nicht, dass er jetzt perfekt wäre, meine Übersetzungen klingen selbst dann holprig, wenn’s viele Punkte drauf gab. Aber ich stelle ihn einfach mal rein. Kurzgeschichte von Manuel Vicent (*1936).

MOTORRAD
Er kaufte das Motorrad, mit dem sein bester Freund gestorben war. Es war eine perfekte, wunderschöne, japanische Maschine. Nach dem Unfall hatte ein trübsinniger Vater sie zu niedrigem Preis zum Verkauf angeboten, doch er hatte nicht vor, sich an diesem Unglück zu bereichern. Er kaufte sie nur aus Liebe. Sie waren Schulfreunde gewesen. Sie hatten gemeinsam als Jugendliche die ersten sexuellen Erfahrungen probiert. Sie hatten die Welt entdeckt, in langen Stunden mit Musik. Sie hatten dieselbe Kaugummimarke gekaut, die gleichen Hamburger vertilgt, den gleichen Bogart nachgeahmt, das gleiche Rattengift getrunken, den gleichen Rockstar geliebt, auf die gleiche Langeweile gespuckt, das gleiche Stachelarmband zur Schau gestellt. Sie waren Kameraden. Zum Schluss waren sie auch durch dieselbe Geschwindigkeit vereint. Der Vater hatte seinem Freund ein Motorrad geschenkt, und sie fuhren immer mit zweihundert pro Stunde nach Nirgendwo, mit den Weichteilen dicht am gleichen Sitz, und niemand unterschied zwischen dem Schwindel und dem Wunsch, der Liebe am eigenen Körper oder an der Maschine, bis diese beschloss, sie zu trennen. Eines Tages sprangen sie durch die Lüfte. Sein Freund fuhr direkt zur Hölle, und er rettete sich wie durch ein Wunder. Doch er war nicht gewillt, das zu dulden.
Warum hatte das Motorrad seinen besten Freund getötet und wurde nun zu einem Spottpreis verkauft? Er fühlte sich gedemütigt. Zudem hatte er auch kein Geld, um sie zu kaufen. Er verbrachte ganze Abende damit, sie in diesem Schaufenster zu betrachten, und eine Welle der Bewunderung durchströmte ihm das Gehirn. Sie war perfekt, wunderschön, japanisch. Solange dieses Motorrad still blieb, würde seine Seele tot sein. Er ging mit den Händen in den Hosentaschen durch die Straßen der Stadt und dachte nur an die Möglichkeit, seinem Freund eine Hommage darzubringen. Die Einsamkeit brachte ihn eines Morgens zum Platzen. Er nahm ein Taschenmesser und zeigte damit auf die Kehle eines Juweliers. Er verkaufte eine schwere Handvoll Gold und Smaragde an einen PERISTA Hehler, und eine Stunde später betrat er das Geschäft mit den nötigen Scheinen. Er kaufte das Motorrad. Er streichelte es wie eine Geliebte. Er brachte es auf zweihundert pro Stunde, und als er die gewünschte Schwelle erreichte, entdeckte er im Rückspiegel das Gesicht des toten Kameraden, der ihn anlächelte. Bald überkam ihn die Dunkelheit der Rache. Dieses Mal hatte das Motorrad nicht einmal sich gerettet.
 

 

Wenn mir jemand sagen kann, was ein perista ist, freu‘ ich mich. (: Ich erfuhr’s heute (19.4.) im Unterricht. Kann mit dem Begriff in dem Kontext leider auch nicht viel mehr anfangen. *schäm* Die anderen Übersetzungsfehler, die ich noch feststellte, ignoriere ich einfach mal.

Ich glaube, die profesora hat ein kleines Faible für leicht sexuell Anrüchiges. In Französisch und Englisch und dem Spanisch der Vorjahre ist so etwas auf jeden Fall nie aufgetaucht (unser Elftklasslehrer aus Madrid war aber auch extreeem verklemmt XD Diese prüden Spanier immer), und nu haben wir in der Kollegstufe auch schon ‚Como agua para chocolate‚ gelesen, das sich in der deutschen Variante in unserer Gemeindebücherei unter dem Thema ‚Erotik‘ wiederfindet… Ganz so erotisch fand ich es dann allerdings auch nicht. O.o Dann schon eher zum Thema ‚Kochen‘. ^^

Gestern (Tag 19) war übrigens relativ unspektakulär. Ich hab…

  • bis drei Uhr Nachmittags geschlafen
  • in ‚Axolotl Roadkill‘ gelesen
  • mich vor dem Besuch meiner Eltern versteckt
  • einen Scilla-Soundtrack zusammengestellt (Scilla ist einer meiner Rollenspielcharaktere im Hogwartsplay; Slytherin und herrlich klar wie Quellwasser. Allerdings ist sie derzeit wohl unlogischerweise verliebt in einen Schönling, und noch dazu steht der lesbische Teil des Schlosses auf sie XD) und
  • ein RPG-Posting für sie verfasst
  • mich mit meinem Freund per ICQ ‚gezofft‘ (so wirklich war’s das auch nicht, ich hab mich bloß etwas echauffiert wegen ständiger Missverständnisse und war plötzlich schlechter Stimmung)
  • mich über dasselbe Medium mal wieder mit Biologe Montalaar unterhalten, den ich über Maisverdruss kennen gelernt hab (das wäre auch mal einen Extraeintrag wert!)
  • querbeet Kram gegessen
  • und zu guter Letzt mit meinen Eltern im Fernsehen einen Film angeschaut. „Eine französische Hochzeit„, sehr empfehlenswert. Es geht in der Tragikomödie um eine französische Hochzeit (tatsächlich!), bei der ja mal sowas von der Wurm drin ist. Generell wird dauernd von den Gästen darüber geredet, wie bescheuert es doch eigentlich ist, zu heiraten, was den Brautleuten natürlich besonders positiv aufstößt… Allerdings auch kein Wunder bei den geschiedenen Brauteltern, von denen der Vater auch noch zugibt, zu heiraten, um mit den Frauen ins Bett zu steigen. Auch die miteinander verheirateten Trauzeugen trennen sich noch vor der kirchlichen Heirat, nachdem die Frau ihrem Gemahl eröffnet, dass sie ihn seit einigen Monaten betrügt. Die Qualitäten des Letztgenannten kommen noch besser zur Geltung, als er kurz vor dem Jawort feststellt: Hoppla, die Ringe sind weg! Schnurstracks wird ein später noch bedeutungsvoller Transvestit angerufen, der etliche Kilometer mit dem Taxi anreist, um die vergessenen Stücke zu bringen, und vorübergehend muss das Brautpaar dann halt mit den Eheringen der mittlerweile Ex-Trauzeugen Vorlieb nehmen, immerhin wollen die sich ja wieder scheiden lassen… Der Humor kommt bei alledem nicht zu kurz: In der einen Minute lacht man über jeden zweiten Satzfetzen (ich zumindest ^^“), in der nächsten allerdings erstarrt man angesichts des Dramas. Und das Ganze hat trotz der Verruchtheit der Gäste eine am Ende deutlich werdende Moral…

¡Hasta mañana!, en la vieja frescura.

 
 

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