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It’s oh so quiet…

08 Feb

Folgenden Text spann ich mir gerade in einem Messenger zusammen, nachdem ich mich darüber mokiert hatte, dass irgendwelche Mädchen im Wohnheim genau jetzt grässlich laut und mit furchtbaren Stimmen die Nachtruhe störten. (Der Titel stammt vom gleichnamigen Song von Björk.) Ich betone hierbei, dass ich keinesfalls ernsthafte Gedanken dieser Art hege, nicht dass jemand auf schräge Ideen kommt. (;

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Der unbekannte Rächer richtete vor dem schlichten Flurspiegel noch einmal seinen Hut und band sich das schwarze Cape um, zwei Utensilien, die ihn schon so oft zu seinen selbst gegebenen Aufträgen begleitet hatten.Lautlos öffnete er die Zimmertür und ließ sie hinter sich mit einem leisen Klicken einrasten. Dann schritt er auf leisen Sohlen den kurzen Gang entlang ins Treppenhaus, wo die schrillen Mädchenstimmen immer lauter, immer unerträglicher wurden. Nein, diese akustische Belästigung hat keine Menschenseele verdient, dacht er.
Kurz lauschte der Rächer, ob sich die Störenfriede in einem Stockwerk über oder unter ihm befanden, und schnell machte er aus, dass er sich nach unten in die erste Etage begeben musste, um seine geheime Arbeit zu verrichten. Wie ein Schatten drückte er sich an die Wand, während er die Stufen nach unten nahm. Kein Laut ging von ihm aus, und selbst wenn, wäre das von dem hysterischen Lachen und Jubeln der jungen Frauen übertönt worden.
Als er um die Ecke bog, erkannte er, dass die Tür halb offen stand. Sie hatten sich nicht einmal die Mühe gemacht, sie zu verschließen, um die anderen Mitbewohner drei Stunden nach Beginn der Nachtruhe nicht zu stören. Die wohlbekannte Ignoranz meiner Zeitgenossen, fuhr es dem Rächer durch den Kopf. Schon immer war es ihm ein wichtiges Bedürfnis gewesen, in diesem Sinne für Gerechtigkeit zu sorgen.
Mit einem schnellen Satz gelangte er an die Wand neben der Küchentür, ohne dass ihn eine aus der Gruppe bemerkt hätte. Mit der linken Hand griff er nach der Rauchbombe in seiner Hosentasche, mit seiner Rechten tastete er nach dem Messer im Gürtel.
Just in diesem Moment schrie drinnen jemand auf, als hätte die Person bereits seine Klinge zu spüren bekommen. Das irritierte ihn, obwohl er genau wusste, dass nichts Schlimmes geschehen sein konnte. Wahrscheinlich hatte sie nur jemand im Spaß gepiekst.
Er durfte nicht zu lange nach denken, sich nicht zu viel Zeit lassen. Sonst würde noch jemand aus den Gängen oder über die Treppen kommen und ihn sehen, ein schwarzer Schatten, an die kalkweiße Wand gepresst. Nicht die beste Tarnung. Bevor er noch weitere wertvolle Minuten vergeuden konnte, warf er die entzündete Rauchbombe mit einem geübten Schwung seines linken Handgelenks in den Raum hinein.

Bald, aber nicht sofort erklangen verwirrte Stimmen – wahrscheinlich war ihre Wahrnehmung bereits von alkoholischen Getränken beeinträchtigt. Umso besser.
Das mit Staubpartikeln angereicherte Gas verteilte sich sehr schnell im Raum, noch bevor eine der Insassen auf die Idee kommen könnte, die Küche zu verlassen. Der Rächer hatte sich beim Kauf gut informiert.
Ohne einen Mucks von sich zu geben, glitt er durch den Türspalt und hatte selbst leichte Probleme, sein erstes Opfer auszumachen. Jetzt, nachdem sie in der ersten Verwirrung laute Worte gewechselt hatten, waren sie sehr leise. Hätten sie damit nur früher angefangen…
Der Rächer merkte, wie die Erste mit sich am Kühlschrank entlangtastenden Händen näher kam, und fuhr ihr mit der scharfen Klinge des Meuchelmessers so schnell über den Hals, dass sie nicht einmal mehr ein Gurgeln von sich gab. Als er ihren Sturz abfing, um keinen Krach zu machen, erkannte er sie an den blonden Haaren und der krummen Nase. An ihren Namen konnte er sich nicht mehr erinnern, doch sie hatte ihn manchmal gegrüßt, wenn sie aneinander vorbeigekommen waren.
„Eh, Kati, wo bischdn“, rief eine Stimme ohne fragenden Ton, dafür aber in gewisser Weise gebieterisch. Und schon näherte sich der dazu passende Schatten, der weit weniger bäuerlich-stämmig aussah, als die ordinäre Stimme mit dem entsprechenden Dialekt geklungen hatte. Der Rächer tippte zum unsichtbaren Gruß gegen seinen Hut, dann schnitt er auch ihr die Kehle durch und legte sie auf ihre Freundin, deren Namen er nun kannte.
Gerade rechtzeitig, denn nun kam das nächste Mädchen zu ihm in Richtung Küchentür. Bei ihr war es etwas schwieriger. Sie schien etwas gewittert zu haben, denn als er Hand an sie legte, ruderte sie noch heftig mit den dünnen Armen, sodass ihm beinahe seine Waffe entglitten wäre. Doch nach ihrem Tod machte auch sie keine Umstände mehr.
Er wusste nicht, ob sie die Letzte gewesen war, denn er hatte die Anzahl der Anwesenden zuvor auf drei bis vier geschätzt. Still huschte er durch den gesamten Raum, lugte unter die beiden kleinen Tische und sogar hinter die Ecke, auf der das Radio stand. Niemand mehr da.

Er öffnete die Fenster sperrangelweit, damit der Rauch abziehen konnte. Dann verließ er den Tatort. Das Wichtigste war, nun niemandem zu begegnen, und so hörte er erst jede Richtung ab, bevor er sich zurück in seine Etage schlich. Kein Mensch kam ihm in die Quere. Glück gehabt.
Er begab sich wieder in das Zimmer, noch immer darauf bedacht, bloß keine Geräusche zu verursachen. Sicher wollten die anderen Heimbewohner nun endlich ihre wohlverdiente Mütze Schlaf bekommen, und er würde sie nicht weiter daran hindern, nachdem er für Ruhe gesorgt hatte.
‚Das hätten wir erledigt‘, murmelte er also im Zimmerflur, entledigte sich erleichtert des Capes und des Hutes, die mit sich immer eine gewisse Verantwortung auf sein Haupt und seine Schultern legten. Nun wusch er im Badezimmer sorgfältig und vorsichtig das Messer ab. Er kehrte in den Wohnraum zurück, kniete sich neben das Bett seiner Mitbewohnerin, die bäuchlings dalag und nun schon in einen Halbschlaf gefallen war, strich ihr über den Kopf und flüsterte mit freundlicher Stimme: ‚Jetzt kannst du in Ruhe schlafen.‘
Er betrachtete das Mädchen, das sich nur bis zu ihrer Hüfte zugedeckt hatte, sodass ihr tätowiertes Pik auf dem linken Schulterblatt zu sehen war, und ihm schien, als würde es sich mit einem Lächeln bedanken. Doch er war sich nicht sicher, ob sie seine Worte verstanden hatte oder schon träumte.
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Verfasst von - 8. Februar 2011 in Alltag, Kreatives

 

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