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Schlagwort-Archive: Anthropologie

Anthropologitäten

Immer wieder interessant, sich selbst zu beobachten und Obskuritäten festzustellen: Wenn ich in Formaldehyd eingelegte Organe oder Menschenknochen sehe, macht sich nicht der erwartete ekelnde Schrecken breit, sondern ein leichtes Lächeln des Wiedererkennens und Neugierde.

 
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Verfasst von - 19. Februar 2014 in Naturwissenschaft, Studium, Wien

 

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A Glorious Contingency

Rekonstruktion in rundem GlaskastenIst dies ein Hologramm?

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Ich habe mich riesig gefreut, als ich erfuhr, dass eine neue anthropologische Ausstellung in zwei Sälen des Naturhistorischen Museums Ende Januar eröffnet wurde. Seit 1996 bzw. ’99 waren diese geschlossen, da die öffentliche Kritik an der bis dahin bestehenden Ausstellung wuchs – im sogenannten ‚Rassensaal‘ wurden zweifelhafte Inhalte über heutige menschliche ‚Rassen‘ dargestellt. (Dabei habe ich mich gefragt, ob es in dieser Zeitspanne (der Teil war seit 1978 geöffnet) in Deutschland überhaupt möglich gewesen wäre, eine solche Exhibition über einen so langen Zeitraum zu führen – Österreich wirkt in vielen Punkten weniger kritisch gegenüber der nationalsozialistischen Vergangenheit.) Heutzutage wird die Einteilung des modernen Menschen in Rassen zumindest in wissenschaftlichen Kreisen größtenteils als obsolet angesehen.

Im Vergleich dazu ist die jetzige Ausstellung, die den Titel ‚Mensch(en) werden‘ trägt, höchst modern, differenziert und erfrischend. (Und das in altehrwürdigen Sälen mit Stuck(-skulpturen) und Gemälden.) Kommt man aus den vorangehenden Sälen voller alter Holzvitrinen, in denen hunderte Relikte frühgeschichtlicher Gefäße und ähnliches aufbewahrt werden, wird man begrüßt von neumodischen, erleuchteten Schautafeln und Flachbildschirmen, einer Vielzahl von Rekonstruktionen (hauptsächlich von Schädelknochen) und einer künstlerischen Neandertaler-Nachbildung, die mit dem Speer auf einen zielt… (Derartige Nachbildungen sind übrigens mit Vorsicht zu genießen, da die relevantesten Merkmale, nach denen wir ein Gegenüber bewerten, besonders von Haut und Fettgewebe dargestellt/ gebildet werden (Stichpunkt Körperbehaarung!), welche sich kaum aus Knochenfunden rekonstruieren lassen.)

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Verfasst von - 21. Februar 2013 in Biologie, Foto, Kultur, Studium, Wien

 

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Heute kein Bild für dich

Nein, dieser Beitrag soll sich nicht Germany’s oder Austria’s next Topmodel widmen. Der Titel zeigt schlicht und ergreifend an, dass es hier kein Foto geben soll, in direkter Verbindung zum eigentlichen Thema: Keine Weitergabe von Bildmaterial, das ich in Univeranstaltungen gesammelt habe.

Nicht, dass die Uni generell was dagegen hat – aber in meinem Anthropologie-Studiengang gibt es, wie auch bei den Medizinern, ein paar Sonderregeln, an die man sich halten muss, genauer: Respekt gegenüber toten Menschen.

In meinen derzeitigen/ bisher absolvierten Übungen (Merkmalsvariationen am Skelett und Skelettmorphologie) wurde jedes Mal darauf aufmerksam gemacht, dass man zwar gern für den persönlichen ‚Gebrauch‘ (sich das Ganze nochmal zu Hause anschauen oder Bilder in eine im Praktikum gehaltenen Präsentation einbauen beispielsweise) fotografieren dürfe, die Bilder allerdings nicht öffentlich gezeigt oder online gestellt werden dürften. Auch bezüglich möglicher Teilnahme an (bei uns leider aus dem Studienplan gestrichenen) Sezierkursen oder der Inanspruchnahme des ‚Studierkammerls‘ zum Lernen auf der Anatomie vergaßen die Professorinnen nicht, zu erwähnen, dass dies verboten sei – kein Wunder, wenn man sich Beispiele aus der Vergangenheit ansieht.

Vor ein paar Jahren ist es vorgekommen, dass Studierende dieses Verbot, das damals vielleicht noch nicht so nachdrücklich erläutert wurde, missachtet und Fotos hochgeladen haben, ob nun auf einer privaten Website oder auf einer Plattform wie Facebook, weiß ich nicht mehr genau, es ist auch eher irrelevant. Irgendjemand stieß darauf, versuchte, die entsprechenden Personen zu kontaktieren und aufzufordern, die Bilder zu entfernen, doch es folgte keine Reaktion. Stattdessen wurde ein Rechtsverfahren eingeleitet, mit der Folge, dass die Missetäter exmatrikuliert wurden – kein schöner Ausgang, und mit Sicherheit abschreckend genug für die meisten Studenten, die sich doch überlegt haben, ‚Leichenmaterial‘ im Internet oder sonst wie zu verbreiten. Und möglicherweise noch – besonders stilvoll – grinsend neben dem einen oder anderen zu posieren.

Natürlich fände ich es schön, das eine oder andere Bild auch mit Leuten zu teilen, die keinen besonderen (ausbildungsmäßigen/ beruflichen) Zugang zur Anthropologie haben. Gewissermaßen als Lehrmittel, ohne dass diejenigen, die davon erfahren und es ansehen und darüber lesen können, Medizin, Biologie oder etwas ähnliches studieren müssen. Andererseits kann ich das gegensprechende Argument des Respekts gegenüber Verstorbenen, die sich teilweise willentlich für die Benutzung ihrer toten Körper zum Lehren und Lernen entscheiden, sehr gut nachvollziehen. In den Unterlagen zu einem meiner Praktika steht bei den Lernzielen vermerkt: „Verantwortungsvoller und pietätvoller Umgang mit menschlichen Knochen.“

Und wer sich für das Thema interessiert, der hat heutzutage einige Möglichkeiten, sich damit zu beschäftigen – sei es mittels

  • oft kriminalistisch angehauchter Serien (ich sollte mir tatsächlich dringend mal ‚Bones‘ reinziehen), auch wenn diese nicht ganz professionell die entsprechenden Berufe zeigen,
  • Dokumentationen, von denen ich besonders ‚Rest in Peace‘ (hier der Trailer auf der zugehörigen Seite) empfehlen möchte, bei dem es um verschiedene Gesichtspunkte des Todes und was danach mit den menschlichen Überresten geschieht, geht (derzeit nach meiner Information nur hier käuflich zu erwerben, aber ganz toll – unter anderem mit dem wunderbaren Dr. Mark Benecke, der sich hauptsächlich mit Insekten auf Leichen beschäftigt, einer mexikanischen Sängerin auf dem Día de los Muertos, einem Bestatter und Leichenherrichter und einem Mitarbeiter bei einem Einfrierungs-und-vielleicht-mal-Wiederbelebungs-Unternehmen),
  • medizinischer oder naturwissenschaftlicher Museen und Ausstellungen, beispielsweise ‚Körperwelten‘ (diskutabel, ob pietätlos und tatsächlich im Willen der Verstorbenen oder nicht) oder gerade hier in Wien den Narrenturm am Unicampus oder das Josephinum (in dessen Gebäude auch mein medizinethisches Seminar stattfindet, sofern es nicht gerade ausfällt wie die letzten beiden Donnerstage X_x),
  • oder schlicht und ergreifend einem Haufen Bücher, welche es fachlich oder innerhalb einer Story anschneiden.

Und zum Posieren habe ich immer noch Oswald, mein lebensgroßes Plastikskelett. (:

Zum Abschluss noch kurz zu dem, was ich aktuell in einer Übung mache: In ‚epigenetische/ nichtmetrische Merkmalsvariationen am Skelett‘ geht es um besagte Variationen – hier ein Höckerchen und da ein Loch zu viel oder zu wenig – und Krankheiten, die man am Skelett feststellen kann. Dafür untersuchen wir teils allein, teils in Gruppen Schädel und ein (mehr oder minder) komplettes Awarenskelett, also von einem Mitglied eines aus Asien stammenden Reitervolkes, dass im ersten nachchristlichen Jahrtausend auch hier in der Gegend zugange war, wie Wikipedia sagt. Ziemlich alte Knochen also. Entsprechend sind die meisten Porösitäten auch keine Pathologien, sondern liegen an der jahrhundertelangen Lagerung im Boden.

 
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Verfasst von - 10. November 2012 in Biologie, Blog, Studium, Wien

 

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You’ve arrived at Panic Station!

Das neue Muse-Album „The 2nd Law“ ist draußen. ^_______^

Manche kapieren jetzt auch endlich den zweiten thermodynamischen Hauptsatz (den ich schon mit dem Album in Zusammenhang stellte, als lediglich der Titel feststand, jaha, Adrian! Naturwissenschaftler halt), der, wie auch in den beiden letzten Songs des Albums verdeutlicht wird, in etwa aussagt: Bei Energieübertragung in isolierten Systemen steigt die Entropie, das Chaos. Es gibt keine Perpetuum mobile(s). Im Video zu ‚Unsustainable‘ entsprechend angedeutete Gesellschafts-/ Wirtschaftskritik, vermutlich. Ich liebe es ja generell, wie haufenweise naturwissenschaftliche und vor allem biologische wie anthropologische Bilder bei dieser Band eingearbeitet werden, wenn man sich nun Clips, Songtexte oder Präsentationen während der Bühnenshow ansieht. Möglicherweise gebe ich sie unter anderem deshalb gern als Lieblingsband an. ❤

Nun aber zum Album, genauer, zur Songliste:

  1. Supremacy
  2. Madness
  3. Panic Station
  4. Prelude
  5. Survival
  6. Follow Me
  7. Animals
  8. Explorers
  9. Big Freeze
  10. Save Me
  11. Liquid State
  12. The 2nd Law: Unsustainable
  13. The 2nd Law: Isolated System

Dies ist keine möglichst ausgefeilt-objektiv-musikwissenschaftliche Kritik. Ich will keine der ‚Möh, die alten Alben waren besser‘-Personen sein (das möge niemand persönlich nehmen – ich find’s aber eher spannend, wie sich eine Band entwickelt, die einem ans Herz gewachsen ist mit ihren genialen Liedern, aber auch mit den Charakteren dahinter und dem ganzen Drumherum, das Menschen zu Fans macht). Und ich freue mich schon sehr, sehr auf das Konzert im November. So viel sei gesagt.

Es zeichnet sich eine gewisse Präferenz der Lieder zu Anfang des Albums ab, sowohl bei anderen Hörern als auch bei mir. ‚Supremacy‘ sollte laut Vorabbemerkungen noch am ehesten an die muse’sche Stiltradition, wenn es eine solche wirklich gibt, anknüpfen. Und ich liiiebe Matts „Suuupremacy~!“ und die folgende jamesbondhafte Bassline plus Melodie. Einer der Albenfavoriten, neben ‚Madness‘, das bereits vorher zu hören war, das irgendwie tiefer und ruhiger wirkt.

Mein derzeitiger Favorit ist allerdings ‚Panic Station‘, genau, Lied 3. (Haha, 3, Lieblingszahl.) Ich hab mich total verliebt – es klingt irgendwie sexy (wen’s interessiert, der möge sich über die Lyrics informieren), hat einen einigermaßen harten Rhythmus, der mir besonders ganz zu Beginn gefällt, klingt teils ein bisschen nach Queen… es groovt. :] Schon allein dafür will ich das Album nicht missen.

Dann haben wir noch das ebenfalls im Vornherein bekannte ‚Survival‘, genau, der meinungsspaltende Olympia-Song. Mir gefällt das orchestrale Prelude und, mal wieder, der Hauptteil (etwas schwierig festlegbar), in dem es ordentlich abgeht. Teilweise zeigen sich allerdings – wie auch in den folgenden Tracks – gewisse Längen. Vielleicht klingen sie unter anderem durch dieses Abweichen vom üblichen Alternative-Rock-Liedschema anders als ‚früher‘. ‚Follow Me‘ ist dann beispielsweise etwas electropopmäßig unterlegt.

‚Explorers‘ sticht für mich ein bisschen raus aus der ‚langweiligen‘ Mitte bis Ende des Albums. Ich finde, es erinnert manchmal so ein bisschen an Radioheads ‚No Surprises‘, hat zunächst gar etwas von einem Schlaflied. :3 ‚Big Freeze‘ finde ich auch noch fein. Und dann kommen die beiden Überraschungslieder von Chris Wolstenholme, eigentlich eher Bassist. Also nochmals etwas sehr Ungewöhnliches für ein Muse-Album. Seine Stimme ist weniger ungewöhnlich, aber er hatte ziemlich was zu verarbeiten, Stichwort Alkoholabhängigkeit… Interessant, da reinzuhören. Von den beiden mag ich ‚Liquid State‘ lieber. Und etwas mehr aggressive Beteiligung von Dom am Schlagzeug wäre generell auch schön gewesen, fällt mir ein.

Finalement haben wir noch die beiden thermodynamischen Lieder (eher gesanglos), ersteres (‚Unsustainable‘, siehe ganz oben) berüchtigt für den – huh – Dubstep. Oder so ähnlich. Ich hab nichts gegen den Einfluss aus der Richtung, nur ist die Roboterstimme nicht so das Wahre. Muse nimmt sich und andere gern mal aufs Korn, und der Track hier klingt etwas danach. Dafür mag ich ‚Isolated System‘ wiederum, dieses Schwebende, fast Wabernde…

Auch, wenn das nun besonders gegen Ende nicht superpositiv klingt – tolles Album. Tolle Band. Q.e.d.

 
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Verfasst von - 5. Oktober 2012 in Blog, Kaufen, Kultur, Musik

 

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Geburtstagsbücher

In Sachen Neuerwerb von Literatur war mein Geburtstag – mittlerweile fast einen Monat her – ein kleiner Erfolg. Dazu brauche ich nicht einmal die beiden auf dem Foto sichtbaren Reinschreibbücher (das rechts ist mein neues Adressbuch) mitzuzählen. Was mir allerdings aufgefallen ist: Meine Sammlung an Sachbüchern ist ziemlich angestiegen, dabei lese ich diese Sorte weniger gern, wenn ich ohnehin schon viel zu tun habe und mich lieber nebenher mit schöner Literatur beschäftige.

Die Sammlung:

  • „Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat“, Pierre Bayard
  • „Bibbi Bokkens magische Bibliothek“, Jostein Gaarder und Klaus Hagerup
  • „Erotische Lyrik der galanten Zeit“, ausgewählt von Hansjürgen Blinn
  • „Die Fahrt der Beagle“, Charles Darwin
  • „Mordspuren. Neue spektakuläre Kriminalfälle, erzählt vom bekanntesten Kriminalbiologen der Welt“, Mark Benecke
  • „Aus der Dunkelkammer des Bösen. Neue Berichte vom bekanntesten Kriminalbiologen der Welt“, Mark Benecke

Das erste Buch befindet sich seit einer entsprechenden Empfehlung von Redakteuren der Süddeutschen Zeitung auf meiner will-ich-unbedingt-lesen-Liste, und es ist gerade dabei, meinen Blick auf das Lesen selbst und Bücher, die man angeblich gelesen haben muss, zu verändern, wie es der Titel schon erahnen lässt. :] ‚Bibbi Bokkens magische Bibliothek‘ habe ich vor Jahren gelesen, fand es wundervoll und habe es mir deshalb von einer Freundin schenken lassen. :3 Nach Bayards Kategorisierung fiel es für mich leider auch schon ein bisschen in die Kategorie ‚VB – vergessenes Buch‘, weswegen ich es erstens überhaupt mal gern haben und zweitens gleich nochmal lesen wollte. Die erotische Lyrik stammt ebenfalls von einer Freundin, und da lässt sich hübsch drin schmökern und ästhetisch formulierte Andeutungen ‚enträtseln‘. Und wie die dritte Freundin und Mitbewohnerin sich richtig dachte, gehört etwas aus der Feder von Charles Darwin zur Pflichtlektüre von jemandem, der mit Biologie zu tun hat.

Ebenfalls biologisch interessant sind die letzten beiden Bücher im Bunde. Ich kann zwar nicht verifizieren, dass Mark Benecke der bekannteste Kriminalbiologe der Welt ist, aber mit dem Untertitel scheint er gut Werbung machen zu können und ich bin mittlerweile ein Fan von ihm. :D Bei solchen Büchern neige ich zwar leider dazu, die Fälle und besonders relevante Basisinformationen bald wieder zu vergessen, aber ich mag die Art, wie er sie dem Lesepublikum näher bringt und die Schwerpunkte, die er setzt. Ich würde ihm selbst gern mal über die Schulter schauen… Was mich nun daran erinnert, dass ich auch Medizinstudenten bei ihrem Sezierkurs gern über die Schulter sehen würde, nachdem er in meinem Studiengang von einem Knochenpraktikum ersetzt wurde, ich aber gern die Art und Vorgehensweise in einem Sezierkurs kennen lernen würde. Mein Freund sieht darin eher die Neugierde, (tote) Menschen aufgeschnitten werden zu sehen, was er eher abstoßend findet und womit er allerdings nicht ganz falsch liegen mag – ich hoffe jedenfalls, dass mich Anblick und Geruch nicht dermaßen irritieren, dass ich an Ort und Stelle umkippe. Das wäre als Gast in der Übung mehr als peinlich.

Von ihm (meinem Freund) habe ich neben einem der Benecke-Bücher übrigens auch ein kleines Hessisch-Wörterbuch bekommen. So etwas taugt zwar kaum zum Durchlesen, aber vielleicht erweist es sich dennoch als hilfreich, wenn ich ihn mal wieder besuche. :D

Den Fortschritt bei denjenigen Büchern, die nicht schon zu alt sind, dokumentiere ich seit kurzem auf Goodreads. Solltet ihr euch auf dieser Plattform auch mal herumtreiben und gelesene sowie noch zu lesende Literatur dokumentieren, fügt mich doch als Freundin hinzu.

 
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Verfasst von - 27. April 2012 in Alltag, Biologie, Foto, Kaufen, Kultur, Lesen, Spielereien, Studium

 

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Der Narrenturm und andere Anatomien

– endlich wieder Museen. :3 Und Filmkultur, aber zu der später.

Dienstag bin ich einigermaßen spontan (am Tag vorher entschieden und bescheidgegeben) zu einer von der Studienvertretung Biologie (eigentlich eher für Zweitsemestrige und so, war aber nicht die einzige ‚Ältere‘) organisierte Führung durch den sogenannten Narrenturm in Wien gegangen. Dabei handelt es sich um ein zwar rundes, aber relativ breites und flaches Gebäude, was ich ja nicht unbedingt mit einem Turm assoziiere, in der Nähe bzw. als Teil des Unicampus (wo ich mich nur selten aufhalte, das ist eher Gebiet einiger Sprach- und Kulturwissenschaftler, wir haben ja das Biozentrum in der Nähe von Geo und Pharmazie sowie der Wirtschaftsuniversität). Einst das erste Gebäude für eine psychiatrische Anstalt in Europa, wurde es auch als Depot der Unikliniken und Ärzte- wie Schwesternunterkunft genutzt – mittlerweile beinhaltet es das pathologisch-anatomische Bundesmuseum Österreichs, was auch nach der kleinen historischen Einleitung den Großteil der Führung einnahm. Dennoch spannend zu hören, wie sich im 18. Jahrhundert die ersten therapeutischen Institutionen bildeten – selbst, wenn diese Therapien wie Aderlässe und Kälteschocks aus heutiger Betrachtung wenig sinnvoll erscheinen, war es doch eine wichtige Entwicklung, „Geisteskranke“ nicht mehr aufgrund ihrer „Abnormalität“ in Gefängnisse zu werfen, sondern eben ihr abweichendes Verhalten als Krankheit zu verstehen und nicht durch (physische) Bestrafung zu verändern suchten.

Leider war das Fotografieren nicht gestattet, doch finden sich einzelne Bilder online, und ich erlaube mir mal, diese (hauptsächlich von diepresse.at) zu verlinken. Nach einem lateinischen Begrüßungsspruch (his locus est ubi mors gaudet succurrere vitae) über der Tür des Stockwerks, in dem sich die Exponate befinden, ging es zunächst in eine Kammer voller Feuchtpräparate, also in Formalin eingelegte Organe, die großteils so ähnlich aussahen, wobei hauptsächlich Lungen ausgestellt waren. Durch den schmalen Rundgang ging es dann einmal im Kreis, wobei sich zu beiden Seiten Vitrinen mit Ausstellungsstücken befanden, die früher für (angehende) Ärzte von Nutzen waren. Skelette neugeborener siamesischer Zwillinge (ein paar Janusköpfe) und anderer Anomalien, Bilder (wie von der Frau mit den zwei Vaginae und drei Beinen und dem Mann mit den drei Penissen und Beinen, die sich, als sie voneinander erfuhren, unbedingt treffen wollten), aber auch sehr viele Moulagen, also künstliche Präparate, bei denen ein Wachsabzug des kranken Körperteils gemacht und anschließend authentisch bemalt wurde, sodass man tatsächlich den Eindruck hat, echte Gliedmaßen vor sich zu haben, die von Tumoren und Hautabszessen, hervorgerufen durch diverse (Geschlechts-)Krankheiten, durchzogen sind.

Nichts für schwache Gemüter also. Wer mit so etwas aber umgehen kann, dem sei ein Besuch (auch außerhalb der Öffnungszeiten – wie bei uns – möglich, nur leider lief es wegen verspätetem Beginn ein wenig stressig und wir konnten danach auch nicht mehr im Museumsshop stöbern, wo sie auch meine geliebten Riesenmikroben und allerlei anderes, was Biologen- und Medizinerherzen höher schlagen lässt (Kugelschreiber in Spritzenoptik!), anbieten) für um die fünf Euro wärmstens ans Herz gelegt. Nachdem ich auch zugegebenermaßen zweifelhafte Ausstellungen wie Körperwelten unglaublich interessant finde, konnte ich dem nicht widerstehen und werde mir auch das Josephinum, das eher weniger Wert auf Krankheiten legt, nicht entgehen lassen. Wien bietet da wirklich ein paar schöne morbide Möglichkeiten, wofür die Stadt auch bekannt sein soll… Immerhin habe ich diesbezüglich bereits letzten Sommer das Bestattungsmuseum, die Kapuzinergruft sowie den Friedhof der Namenlosen besichtigt, findet man auch nicht überall.

Außerhalb von Wien freue ich mich schon auf den demnächst anstehenden, von meiner Mama organisierten Besuch im Sonneberger Museum eines Herstellers für Lehrmodelle (SOMSO), die auch besonders in der Anatomie Anwendung finden. Und ich ärgere mich noch ein bisschen, dass wir es in Basel nicht in die für Anthropologen eigentlich unauslassbare Ausstellung „Knochenarbeit – wenn Skelette erzählen“ geschafft haben. Die Plakate haben mir schon sooo Lust gemacht (möglicherweise auch, weil Bezeichnungen wie ‚Konzertpianistin‘ oder ‚Primaballerina‘ mich zur Identifikation und zum Schwärmen verleiten… schon allein aus ästhetischen Gründen), aber das naturhistorische Museum hatte dann schon zu.

Ansonsten war gester Abend kulturell noch sehr fein, Bäggi und ich haben nämlich eines der Programmkinos, das Mitveranstalter von „Eine Stadt, ein Film“ war, besucht. An einem Tag wurde in mehreren Kinos gratis „Die unabsichtliche Entführung der Elfriede Ott“ gezeigt, und obwohl ein solcher österreichischer Film nicht ganz in mein Beuteschema passt, wusste er sich doch mit seinem eigenen Charme und Humor gut zu verkaufen. So etwas ist oft einfach eine Frage der Herangehensweise, da hätte man sich auch elitär geben und keinerlei Spaß am Film haben können. Wäre in dem Fall auch nicht schade ums nicht ausgegebene Geld gewesen – aber wenn man schon in begeisterungsfähiger Begleitung und guter Stimmung aufkreuzt und sich auf Dialekt, Klischees und bisher fremde Kultur einlässt, wird das Ganze doch zu einem schöneren Erlebnis, nicht wahr? Selbiges gilt natürlich auch für französische und alle anderen Filme, die einem auf den ersten Blick vielleicht ein wenig merkwürdig vorkommen. Ein bisschen Offenheit und in diesem Fall Mut zur Profanität hat auch pseudointellektuellen Studentinnen wie mir noch nicht geschadet. (;

 
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Verfasst von - 24. März 2012 in Foto, Kultur, Wien

 

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Im Zeitalter des Plastiks

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Die Klausur in Französisch war ein voller Erfolg, Deutsch… joah. Naja. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man dafür hätte argumentieren sollen, dass in „Der Vorleser“ (Schlink) der Mercedesfahrer (S. 145 ff., glaube ich), welcher Michael in Richtung KZ mitnimmt, NICHT der Offizier auf dem Foto, das er beschreibt, ist. Deutschlehrer sind halt etwas abstrus (und ich nicht kritikfähig XD).

In Recht war ich die Einzige, die kein Abi in dem Fach macht und anstandeshalber sowie der Frauenquote zuliebe trotzdem im Unterricht war. Unten in der Aula hätte ich mich auch nicht konzentrieren können, und so konnte ich noch ein bisschen der angenehmen Stimme lauschen. ^_^

Nach der 6. ging’s dann ins Kino mit einer Handvoll Mitdreizehntklässler und der K12. ‚Plastic Planet‘. Wirklich, wirklich sehenswert, auch wenn ich bei diesen Dokus oft nah am Einschlafen bin… Er ist mir auf jeden Fall positiver in Erinnerung als ‚We feed the World‘, falls jemandem der hier bekannt ist. Möglicherweise, weil’s vorrangig um den Einfluss auf den Menschen geht, denkt die zukünftige Bio-Anthropologie-Studentin. X3 Möglicherweise war auch der Unterhaltungseffekt größer. Dabei stellt sich ein interessierter Mensch während und nach dem Film tatsächlich die Frage, ob man da nicht selbst ein bisschen was für sich machen kann, um die Lebensqualität zu verbessern. (Zum Beispiel nicht in die USA auswandern.) Andererseits gibt es schon so viele andere Qualitätminderer, und wer würde schon lieber Glas- als Plastikflaschen den ganzen Tag mit sich herum- oder in die Wohnung im fünften Stock schleppen wollen?

Solche Filme finde ich sehr wichtig – schon allein, um immer wieder daran erinnert zu werden, sich auch mal mehr Gedanken über das eine oder andere Thema zu machen, ohne nur den primären Nutzen/ Schaden zu realisieren.

An diesem Beispiel hat mir die Art der Präsentation gefallen – es war nicht monoton und nur in Form von fachbegriffstrotzenden Gesprächen mit Firmenchefs dargebracht. Gewisse Analogien (wie z.B. das Erzählen über den Abbau eines Plastikballs mit Erdball-Aufdruck, während Landschaftsbilder gezeigt werden) haben ebenso zur Interessantheit beigetragen wie die paar Worte Französisch am Anfang in der Wüste, die Haushalte, die ihre Plastikgegenstände vor das Gebäude verfrachteten und staunten und die persönlichen Erzählungen und Aktionen des Dokumentators.

Was allerdings am meisten Aussage hatte, waren die Tatsachen. Die konkretisierten Zusammenhänge in schlichteren Fakten. Beispiele gefällig?

  • Unfruchtbare Paare weisen einen größeren Anteil an Kunststoffen/ Weichmachern im Blut auf als der Durchschnitt. In den letzten Jahrzehnten ist die Anzahl der produzierten Samenzellen beim Menschen um etwa die Hälfte gesunken. Mögliche Ursache: Die Kunststoffe bzw. Kunststoffzusätze, die sich ähnlich wie das Hormon Östrogen auf den Körper auswirken.
  • Diese hormonartige Wirkung hat auch Einfluss auf die Entwicklung des Embryos bzw. Kindes, besonders in Bezug auf das Gehirn.

Kunststoffbestandteile sind außerdem häufig…

  • kanzerogen (krebserregend)
  • Grund für Übergewicht
  • verantwortlich für die Ausprägung von Asthma und Allergien.

Bei jedem Gebrauch von Plastikgegenständen schabt sich natürlicherweise etwas von dem Material ab und gelangt in unseren Körper. Ihr habt sicher Plastikflaschen oder Tupperware rumstehen, an denen Schlieren und Trübungen zu erkennen sind – das sind typische Anzeichen.

Die entsprechenden Konzerne halten es nicht für ihre Aufgabe, über die Gefahren zu informieren. Darum muss sich wie immer die Gesellschaft kümmern. Großkonzerne üben so viel Macht und Druck auf Prüfungskommissionen und ganze Staaten aus, dass nicht allzu viel geforscht und verboten werden kann – womit wiederum der Boden für den Beweis von Giftigkeiten etc. entzogen wird.

Soviel mal zu dem Thema. (: Mehr Infos (wirklich interessant!): http://www.plastic-planet.at

Morgen muss ich mit dem Rad zur Schule, weil ich nicht nach Sport, sprich nach der 10., abgeholt werden kann bzw. kein Bus fährt. Seeeufz. Ich bin doch viel zu unsportlich dafür. Und falle sicher vom Fahrrad. Und rege zig Autofahrer auf. Und was, wenn die halb verrostete Kette raus-/zerfällt? >.<

Dafür freu‘ ich mich schon wahnsinnig auf Freitag und den zugehörigen Besuch. X3 Hoch lebe der Islandvulkanstaub! Solang er am Wochenende nicht auch noch negativen Einfluss auf’s Grillwetter nimmt.

 
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Verfasst von - 21. April 2010 in Blog

 

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