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KITSCH!

10 Mrz

– zum Musical ‚Elisabeth‘, März 2013 im Wiener Raimund-Theater

Wie bereits kurz erwähnt, war ich letztens relativ spontan in ‚Elisabeth‘ – eine Freundin auf Kursfahrt hatte mir die Studenten-Restkarten, die es ab einer halben Stunde vor Vorstellungsbeginn an der Abendkasse gäbe, empfohlen, und so machte ich mich frühzeitig auf den Weg. Doch ach – es standen bereits einige Leute an, und mindestens zehn Minuten früher hatte man mit dem Restkartenverkauf begonnen. Wäre ich doch noch etwas eher dort gewesen… Ein Grund, unzufrieden zu sein, war dies jedoch eigentlich nicht, denn immerhin bekam ich für 15 Euro einen Platz in der sechsten Reihe, im rechten Teil des Parketts – im regulären Vorverkauf hätte ich dafür 69 Euro hinblättern müssen. Win!

Also noch ein paar Minütchen auf den Einlass gewartet, sich in der Nähe von anderen Studentinnen und älteren Herrschaften niedergelassen und hibbelig noch ein paar Sätze in Stefan Zweigs ‚Marie Antoinette‘, das ich dabeihatte, gelesen, bevor es losging. Der Beginn war bereits sehr beeindruckend, und irgendwie fühlte ich mich bei den Toten in 19.-Jahrhundert-Kostümen an die ‚Tanz der Vampire‘-Vorstellung erinnert. (Das dortige ‚Ewigkeit‘ gehört definitiv zu meinen Lieblingsszenen (das Video enthält übrigens keine Story-Spoiler). Sollte jemand vergleichen wollen, ist beispielsweise hier noch der Elisabeth-Prolog zu finden.) Ähnlich wie bei einer späteren Elisabeth-Szene namens ‚Alle Fragen sind gestellt (Reprise)‘, für die Kenner. (;

Nun, ich kann kaum alle Szenen durchgehen und kommentieren, und die Zusammenfassung der Story ist ohnehin überall nachlesbar. Insgesamt fand ich die (mögliche) Geschichte der Kaiserin Elisabeth interessant erzählt, und von der sollte man als Zugezogene zumindest mal gehört haben; bis heute sah ich nicht einmal die berühmten, kitschigen Sissi-Filme. Kitschig war natürlich auch das Musical stellenweise, dabei aber meiner Meinung nach nicht unnötig übertrieben und durchaus unterhaltsam, selbst wenn es natürlich komödiantischere Stücke gibt.

Das Bühnenbild war mächtig, mit einer sich drehenden Rotunde und riesigen Einzelelementen wie einem sich herabsenkenden und hinaufziehenden Steg… Man müsste andere Spielstätten kennen, um zu vergleichen, was hier anders umgesetzt ist, aber die Bühne ist technisch großen Wandeln unterworfen, was sicher auch für die Darsteller eingangs eine Herausforderung darstellt, wenn man schiefe Elemente hoch- und runterlaufen muss und die bewegten von den unbewegten Teilen unterscheiden. Manchmal weiß man dabei als Zuschauer gar nicht, wohin man gucken soll. Das beste Beispiel hierfür ist mir eine Szene im Freudenhaus, in der ich mindestens drei Paar Augen gebraucht hätte, um die Puffmutter im Blick zu haben, die digitale Leuchtreklame zu lesen und gleichzeitig noch die tanzenden leichten Mädchen (am Besten einzeln) zu verfolgen – was für herrliche Korsetts die da überhaupt anhatten! *_* Dafür erinnerten mich die Uniformhosen der Herren (Kaiser, Sohn) mit ihrem roten Längsstreifen an den Seiten an Jogginghosen…

Das Personal gab eine insgesamt gelungene Darstellung ab, wenn man von einer kleinen, unschön gesungenen Stelle der Elisabeth (Annemieke Van Dam – welch netter Name) einmal absieht; ihre Passagen sind nun wirklich nichts zum mal-eben-unter-der-Dusche-Trällern, und für die schwierigen Sprünge und das Tonhalten gebührte ihr der tosende Schlussapplaus auf jeden Fall. Nebenbei bemerkt war der in etwa so laut wie jener für den kleinen Inszenierer des jungen Erzherzog Rudolf, und gerade weil ich wirklich kein Fan von Kinderdarstellern bin, hat mir seine Gesangsnummer und die generelle Präsentation auf der Bühne wirklich imponiert, sodass ich am Schluss fast schon feuchte Augen bekommen habe. Hach. Besonders genial fand ich die Rolle des lässigen Luigi Lucheni (von Kurosch Abbasi gespielt, wie die Website sagt), des Mörders der Kaiserin, der gewissermaßen in der Rückblende durch die Geschichte führt. (Eben beim Nachlesen der Darsteller fiel mir auf, dass viele Hauptrollenverkörperer aus Hessen stammen.[/sinnlose Nebeninformation]) Weniger gefiel mir da ‚der Tod‘, möglicherweise auch nur unterschwellig-oberflächlich, denn soweit ich das beurteilen kann, hat er gesangstechnisch saubere Arbeit geleistet – außergewöhnlich fand ich ihn (die Rolle? Den Schauspieler?) im Gesamteindruck jedoch nicht.

Das Stück sei dem geneigten Stadtbesucher zu empfehlen – besonders den kurzentschlossenen Studierenden, die aber mal sowas von gute Plätze bekommen können, und das in etwa zum Preis eines 3D-Kinobesuchs mit Popcorn und Getränk. Noch günstiger: Stehplätze für wenige Euro. (Ähnliche Angebote gelten auch für Opern- und Schauspielhäuser, einfach vorher googeln!)

Zum Schluss noch einen Schwank zum Publikum und seine Reaktionen auf eine bestimmte Szene, in der Nationalisten aufmarschierten und Parolen sangen (?), mit verfremdeten Symbolen und leeren Schildern. Im Anschluss daran bildete sich nämlich eine kleine Pause, in der die Zuschauer wohl Szenenapplaus gegeben hätten (und dies teilweise auch getan haben), wäre die Situation nicht genau das Gegenteil dessen, was applaudierenswert ist, und der Impuls zum Klatschen auf dem Weg zu den Händen verebbt wie ein im Halse stecken gebliebenes Lachen. Von den wenigen Trotzdemjohlern hoffe ich einfach, dass sie lediglich die Darbietung der Schauspieler honorieren wollten, denn die große Mehrheit zeigte sich verständlicherweise doch sehr pikiert…

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Verfasst von - 10. März 2013 in Kultur, Lesen, Musik, Wien

 

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