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Schlagwort-Archive: Körperwelten

A Glorious Contingency

Rekonstruktion in rundem GlaskastenIst dies ein Hologramm?

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Ich habe mich riesig gefreut, als ich erfuhr, dass eine neue anthropologische Ausstellung in zwei Sälen des Naturhistorischen Museums Ende Januar eröffnet wurde. Seit 1996 bzw. ’99 waren diese geschlossen, da die öffentliche Kritik an der bis dahin bestehenden Ausstellung wuchs – im sogenannten ‚Rassensaal‘ wurden zweifelhafte Inhalte über heutige menschliche ‚Rassen‘ dargestellt. (Dabei habe ich mich gefragt, ob es in dieser Zeitspanne (der Teil war seit 1978 geöffnet) in Deutschland überhaupt möglich gewesen wäre, eine solche Exhibition über einen so langen Zeitraum zu führen – Österreich wirkt in vielen Punkten weniger kritisch gegenüber der nationalsozialistischen Vergangenheit.) Heutzutage wird die Einteilung des modernen Menschen in Rassen zumindest in wissenschaftlichen Kreisen größtenteils als obsolet angesehen.

Im Vergleich dazu ist die jetzige Ausstellung, die den Titel ‚Mensch(en) werden‘ trägt, höchst modern, differenziert und erfrischend. (Und das in altehrwürdigen Sälen mit Stuck(-skulpturen) und Gemälden.) Kommt man aus den vorangehenden Sälen voller alter Holzvitrinen, in denen hunderte Relikte frühgeschichtlicher Gefäße und ähnliches aufbewahrt werden, wird man begrüßt von neumodischen, erleuchteten Schautafeln und Flachbildschirmen, einer Vielzahl von Rekonstruktionen (hauptsächlich von Schädelknochen) und einer künstlerischen Neandertaler-Nachbildung, die mit dem Speer auf einen zielt… (Derartige Nachbildungen sind übrigens mit Vorsicht zu genießen, da die relevantesten Merkmale, nach denen wir ein Gegenüber bewerten, besonders von Haut und Fettgewebe dargestellt/ gebildet werden (Stichpunkt Körperbehaarung!), welche sich kaum aus Knochenfunden rekonstruieren lassen.)

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Ein Kommentar

Verfasst von - 21. Februar 2013 in Biologie, Foto, Kultur, Studium, Wien

 

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Heute kein Bild für dich

Nein, dieser Beitrag soll sich nicht Germany’s oder Austria’s next Topmodel widmen. Der Titel zeigt schlicht und ergreifend an, dass es hier kein Foto geben soll, in direkter Verbindung zum eigentlichen Thema: Keine Weitergabe von Bildmaterial, das ich in Univeranstaltungen gesammelt habe.

Nicht, dass die Uni generell was dagegen hat – aber in meinem Anthropologie-Studiengang gibt es, wie auch bei den Medizinern, ein paar Sonderregeln, an die man sich halten muss, genauer: Respekt gegenüber toten Menschen.

In meinen derzeitigen/ bisher absolvierten Übungen (Merkmalsvariationen am Skelett und Skelettmorphologie) wurde jedes Mal darauf aufmerksam gemacht, dass man zwar gern für den persönlichen ‚Gebrauch‘ (sich das Ganze nochmal zu Hause anschauen oder Bilder in eine im Praktikum gehaltenen Präsentation einbauen beispielsweise) fotografieren dürfe, die Bilder allerdings nicht öffentlich gezeigt oder online gestellt werden dürften. Auch bezüglich möglicher Teilnahme an (bei uns leider aus dem Studienplan gestrichenen) Sezierkursen oder der Inanspruchnahme des ‚Studierkammerls‘ zum Lernen auf der Anatomie vergaßen die Professorinnen nicht, zu erwähnen, dass dies verboten sei – kein Wunder, wenn man sich Beispiele aus der Vergangenheit ansieht.

Vor ein paar Jahren ist es vorgekommen, dass Studierende dieses Verbot, das damals vielleicht noch nicht so nachdrücklich erläutert wurde, missachtet und Fotos hochgeladen haben, ob nun auf einer privaten Website oder auf einer Plattform wie Facebook, weiß ich nicht mehr genau, es ist auch eher irrelevant. Irgendjemand stieß darauf, versuchte, die entsprechenden Personen zu kontaktieren und aufzufordern, die Bilder zu entfernen, doch es folgte keine Reaktion. Stattdessen wurde ein Rechtsverfahren eingeleitet, mit der Folge, dass die Missetäter exmatrikuliert wurden – kein schöner Ausgang, und mit Sicherheit abschreckend genug für die meisten Studenten, die sich doch überlegt haben, ‚Leichenmaterial‘ im Internet oder sonst wie zu verbreiten. Und möglicherweise noch – besonders stilvoll – grinsend neben dem einen oder anderen zu posieren.

Natürlich fände ich es schön, das eine oder andere Bild auch mit Leuten zu teilen, die keinen besonderen (ausbildungsmäßigen/ beruflichen) Zugang zur Anthropologie haben. Gewissermaßen als Lehrmittel, ohne dass diejenigen, die davon erfahren und es ansehen und darüber lesen können, Medizin, Biologie oder etwas ähnliches studieren müssen. Andererseits kann ich das gegensprechende Argument des Respekts gegenüber Verstorbenen, die sich teilweise willentlich für die Benutzung ihrer toten Körper zum Lehren und Lernen entscheiden, sehr gut nachvollziehen. In den Unterlagen zu einem meiner Praktika steht bei den Lernzielen vermerkt: „Verantwortungsvoller und pietätvoller Umgang mit menschlichen Knochen.“

Und wer sich für das Thema interessiert, der hat heutzutage einige Möglichkeiten, sich damit zu beschäftigen – sei es mittels

  • oft kriminalistisch angehauchter Serien (ich sollte mir tatsächlich dringend mal ‚Bones‘ reinziehen), auch wenn diese nicht ganz professionell die entsprechenden Berufe zeigen,
  • Dokumentationen, von denen ich besonders ‚Rest in Peace‘ (hier der Trailer auf der zugehörigen Seite) empfehlen möchte, bei dem es um verschiedene Gesichtspunkte des Todes und was danach mit den menschlichen Überresten geschieht, geht (derzeit nach meiner Information nur hier käuflich zu erwerben, aber ganz toll – unter anderem mit dem wunderbaren Dr. Mark Benecke, der sich hauptsächlich mit Insekten auf Leichen beschäftigt, einer mexikanischen Sängerin auf dem Día de los Muertos, einem Bestatter und Leichenherrichter und einem Mitarbeiter bei einem Einfrierungs-und-vielleicht-mal-Wiederbelebungs-Unternehmen),
  • medizinischer oder naturwissenschaftlicher Museen und Ausstellungen, beispielsweise ‚Körperwelten‘ (diskutabel, ob pietätlos und tatsächlich im Willen der Verstorbenen oder nicht) oder gerade hier in Wien den Narrenturm am Unicampus oder das Josephinum (in dessen Gebäude auch mein medizinethisches Seminar stattfindet, sofern es nicht gerade ausfällt wie die letzten beiden Donnerstage X_x),
  • oder schlicht und ergreifend einem Haufen Bücher, welche es fachlich oder innerhalb einer Story anschneiden.

Und zum Posieren habe ich immer noch Oswald, mein lebensgroßes Plastikskelett. (:

Zum Abschluss noch kurz zu dem, was ich aktuell in einer Übung mache: In ‚epigenetische/ nichtmetrische Merkmalsvariationen am Skelett‘ geht es um besagte Variationen – hier ein Höckerchen und da ein Loch zu viel oder zu wenig – und Krankheiten, die man am Skelett feststellen kann. Dafür untersuchen wir teils allein, teils in Gruppen Schädel und ein (mehr oder minder) komplettes Awarenskelett, also von einem Mitglied eines aus Asien stammenden Reitervolkes, dass im ersten nachchristlichen Jahrtausend auch hier in der Gegend zugange war, wie Wikipedia sagt. Ziemlich alte Knochen also. Entsprechend sind die meisten Porösitäten auch keine Pathologien, sondern liegen an der jahrhundertelangen Lagerung im Boden.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 10. November 2012 in Biologie, Blog, Studium, Wien

 

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Der Narrenturm und andere Anatomien

– endlich wieder Museen. :3 Und Filmkultur, aber zu der später.

Dienstag bin ich einigermaßen spontan (am Tag vorher entschieden und bescheidgegeben) zu einer von der Studienvertretung Biologie (eigentlich eher für Zweitsemestrige und so, war aber nicht die einzige ‚Ältere‘) organisierte Führung durch den sogenannten Narrenturm in Wien gegangen. Dabei handelt es sich um ein zwar rundes, aber relativ breites und flaches Gebäude, was ich ja nicht unbedingt mit einem Turm assoziiere, in der Nähe bzw. als Teil des Unicampus (wo ich mich nur selten aufhalte, das ist eher Gebiet einiger Sprach- und Kulturwissenschaftler, wir haben ja das Biozentrum in der Nähe von Geo und Pharmazie sowie der Wirtschaftsuniversität). Einst das erste Gebäude für eine psychiatrische Anstalt in Europa, wurde es auch als Depot der Unikliniken und Ärzte- wie Schwesternunterkunft genutzt – mittlerweile beinhaltet es das pathologisch-anatomische Bundesmuseum Österreichs, was auch nach der kleinen historischen Einleitung den Großteil der Führung einnahm. Dennoch spannend zu hören, wie sich im 18. Jahrhundert die ersten therapeutischen Institutionen bildeten – selbst, wenn diese Therapien wie Aderlässe und Kälteschocks aus heutiger Betrachtung wenig sinnvoll erscheinen, war es doch eine wichtige Entwicklung, „Geisteskranke“ nicht mehr aufgrund ihrer „Abnormalität“ in Gefängnisse zu werfen, sondern eben ihr abweichendes Verhalten als Krankheit zu verstehen und nicht durch (physische) Bestrafung zu verändern suchten.

Leider war das Fotografieren nicht gestattet, doch finden sich einzelne Bilder online, und ich erlaube mir mal, diese (hauptsächlich von diepresse.at) zu verlinken. Nach einem lateinischen Begrüßungsspruch (his locus est ubi mors gaudet succurrere vitae) über der Tür des Stockwerks, in dem sich die Exponate befinden, ging es zunächst in eine Kammer voller Feuchtpräparate, also in Formalin eingelegte Organe, die großteils so ähnlich aussahen, wobei hauptsächlich Lungen ausgestellt waren. Durch den schmalen Rundgang ging es dann einmal im Kreis, wobei sich zu beiden Seiten Vitrinen mit Ausstellungsstücken befanden, die früher für (angehende) Ärzte von Nutzen waren. Skelette neugeborener siamesischer Zwillinge (ein paar Janusköpfe) und anderer Anomalien, Bilder (wie von der Frau mit den zwei Vaginae und drei Beinen und dem Mann mit den drei Penissen und Beinen, die sich, als sie voneinander erfuhren, unbedingt treffen wollten), aber auch sehr viele Moulagen, also künstliche Präparate, bei denen ein Wachsabzug des kranken Körperteils gemacht und anschließend authentisch bemalt wurde, sodass man tatsächlich den Eindruck hat, echte Gliedmaßen vor sich zu haben, die von Tumoren und Hautabszessen, hervorgerufen durch diverse (Geschlechts-)Krankheiten, durchzogen sind.

Nichts für schwache Gemüter also. Wer mit so etwas aber umgehen kann, dem sei ein Besuch (auch außerhalb der Öffnungszeiten – wie bei uns – möglich, nur leider lief es wegen verspätetem Beginn ein wenig stressig und wir konnten danach auch nicht mehr im Museumsshop stöbern, wo sie auch meine geliebten Riesenmikroben und allerlei anderes, was Biologen- und Medizinerherzen höher schlagen lässt (Kugelschreiber in Spritzenoptik!), anbieten) für um die fünf Euro wärmstens ans Herz gelegt. Nachdem ich auch zugegebenermaßen zweifelhafte Ausstellungen wie Körperwelten unglaublich interessant finde, konnte ich dem nicht widerstehen und werde mir auch das Josephinum, das eher weniger Wert auf Krankheiten legt, nicht entgehen lassen. Wien bietet da wirklich ein paar schöne morbide Möglichkeiten, wofür die Stadt auch bekannt sein soll… Immerhin habe ich diesbezüglich bereits letzten Sommer das Bestattungsmuseum, die Kapuzinergruft sowie den Friedhof der Namenlosen besichtigt, findet man auch nicht überall.

Außerhalb von Wien freue ich mich schon auf den demnächst anstehenden, von meiner Mama organisierten Besuch im Sonneberger Museum eines Herstellers für Lehrmodelle (SOMSO), die auch besonders in der Anatomie Anwendung finden. Und ich ärgere mich noch ein bisschen, dass wir es in Basel nicht in die für Anthropologen eigentlich unauslassbare Ausstellung „Knochenarbeit – wenn Skelette erzählen“ geschafft haben. Die Plakate haben mir schon sooo Lust gemacht (möglicherweise auch, weil Bezeichnungen wie ‚Konzertpianistin‘ oder ‚Primaballerina‘ mich zur Identifikation und zum Schwärmen verleiten… schon allein aus ästhetischen Gründen), aber das naturhistorische Museum hatte dann schon zu.

Ansonsten war gester Abend kulturell noch sehr fein, Bäggi und ich haben nämlich eines der Programmkinos, das Mitveranstalter von „Eine Stadt, ein Film“ war, besucht. An einem Tag wurde in mehreren Kinos gratis „Die unabsichtliche Entführung der Elfriede Ott“ gezeigt, und obwohl ein solcher österreichischer Film nicht ganz in mein Beuteschema passt, wusste er sich doch mit seinem eigenen Charme und Humor gut zu verkaufen. So etwas ist oft einfach eine Frage der Herangehensweise, da hätte man sich auch elitär geben und keinerlei Spaß am Film haben können. Wäre in dem Fall auch nicht schade ums nicht ausgegebene Geld gewesen – aber wenn man schon in begeisterungsfähiger Begleitung und guter Stimmung aufkreuzt und sich auf Dialekt, Klischees und bisher fremde Kultur einlässt, wird das Ganze doch zu einem schöneren Erlebnis, nicht wahr? Selbiges gilt natürlich auch für französische und alle anderen Filme, die einem auf den ersten Blick vielleicht ein wenig merkwürdig vorkommen. Ein bisschen Offenheit und in diesem Fall Mut zur Profanität hat auch pseudointellektuellen Studentinnen wie mir noch nicht geschadet. (;

 
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Verfasst von - 24. März 2012 in Foto, Kultur, Wien

 

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