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Der Narrenturm und andere Anatomien

– endlich wieder Museen. :3 Und Filmkultur, aber zu der später.

Dienstag bin ich einigermaßen spontan (am Tag vorher entschieden und bescheidgegeben) zu einer von der Studienvertretung Biologie (eigentlich eher für Zweitsemestrige und so, war aber nicht die einzige ‚Ältere‘) organisierte Führung durch den sogenannten Narrenturm in Wien gegangen. Dabei handelt es sich um ein zwar rundes, aber relativ breites und flaches Gebäude, was ich ja nicht unbedingt mit einem Turm assoziiere, in der Nähe bzw. als Teil des Unicampus (wo ich mich nur selten aufhalte, das ist eher Gebiet einiger Sprach- und Kulturwissenschaftler, wir haben ja das Biozentrum in der Nähe von Geo und Pharmazie sowie der Wirtschaftsuniversität). Einst das erste Gebäude für eine psychiatrische Anstalt in Europa, wurde es auch als Depot der Unikliniken und Ärzte- wie Schwesternunterkunft genutzt – mittlerweile beinhaltet es das pathologisch-anatomische Bundesmuseum Österreichs, was auch nach der kleinen historischen Einleitung den Großteil der Führung einnahm. Dennoch spannend zu hören, wie sich im 18. Jahrhundert die ersten therapeutischen Institutionen bildeten – selbst, wenn diese Therapien wie Aderlässe und Kälteschocks aus heutiger Betrachtung wenig sinnvoll erscheinen, war es doch eine wichtige Entwicklung, „Geisteskranke“ nicht mehr aufgrund ihrer „Abnormalität“ in Gefängnisse zu werfen, sondern eben ihr abweichendes Verhalten als Krankheit zu verstehen und nicht durch (physische) Bestrafung zu verändern suchten.

Leider war das Fotografieren nicht gestattet, doch finden sich einzelne Bilder online, und ich erlaube mir mal, diese (hauptsächlich von diepresse.at) zu verlinken. Nach einem lateinischen Begrüßungsspruch (his locus est ubi mors gaudet succurrere vitae) über der Tür des Stockwerks, in dem sich die Exponate befinden, ging es zunächst in eine Kammer voller Feuchtpräparate, also in Formalin eingelegte Organe, die großteils so ähnlich aussahen, wobei hauptsächlich Lungen ausgestellt waren. Durch den schmalen Rundgang ging es dann einmal im Kreis, wobei sich zu beiden Seiten Vitrinen mit Ausstellungsstücken befanden, die früher für (angehende) Ärzte von Nutzen waren. Skelette neugeborener siamesischer Zwillinge (ein paar Janusköpfe) und anderer Anomalien, Bilder (wie von der Frau mit den zwei Vaginae und drei Beinen und dem Mann mit den drei Penissen und Beinen, die sich, als sie voneinander erfuhren, unbedingt treffen wollten), aber auch sehr viele Moulagen, also künstliche Präparate, bei denen ein Wachsabzug des kranken Körperteils gemacht und anschließend authentisch bemalt wurde, sodass man tatsächlich den Eindruck hat, echte Gliedmaßen vor sich zu haben, die von Tumoren und Hautabszessen, hervorgerufen durch diverse (Geschlechts-)Krankheiten, durchzogen sind.

Nichts für schwache Gemüter also. Wer mit so etwas aber umgehen kann, dem sei ein Besuch (auch außerhalb der Öffnungszeiten – wie bei uns – möglich, nur leider lief es wegen verspätetem Beginn ein wenig stressig und wir konnten danach auch nicht mehr im Museumsshop stöbern, wo sie auch meine geliebten Riesenmikroben und allerlei anderes, was Biologen- und Medizinerherzen höher schlagen lässt (Kugelschreiber in Spritzenoptik!), anbieten) für um die fünf Euro wärmstens ans Herz gelegt. Nachdem ich auch zugegebenermaßen zweifelhafte Ausstellungen wie Körperwelten unglaublich interessant finde, konnte ich dem nicht widerstehen und werde mir auch das Josephinum, das eher weniger Wert auf Krankheiten legt, nicht entgehen lassen. Wien bietet da wirklich ein paar schöne morbide Möglichkeiten, wofür die Stadt auch bekannt sein soll… Immerhin habe ich diesbezüglich bereits letzten Sommer das Bestattungsmuseum, die Kapuzinergruft sowie den Friedhof der Namenlosen besichtigt, findet man auch nicht überall.

Außerhalb von Wien freue ich mich schon auf den demnächst anstehenden, von meiner Mama organisierten Besuch im Sonneberger Museum eines Herstellers für Lehrmodelle (SOMSO), die auch besonders in der Anatomie Anwendung finden. Und ich ärgere mich noch ein bisschen, dass wir es in Basel nicht in die für Anthropologen eigentlich unauslassbare Ausstellung „Knochenarbeit – wenn Skelette erzählen“ geschafft haben. Die Plakate haben mir schon sooo Lust gemacht (möglicherweise auch, weil Bezeichnungen wie ‚Konzertpianistin‘ oder ‚Primaballerina‘ mich zur Identifikation und zum Schwärmen verleiten… schon allein aus ästhetischen Gründen), aber das naturhistorische Museum hatte dann schon zu.

Ansonsten war gester Abend kulturell noch sehr fein, Bäggi und ich haben nämlich eines der Programmkinos, das Mitveranstalter von „Eine Stadt, ein Film“ war, besucht. An einem Tag wurde in mehreren Kinos gratis „Die unabsichtliche Entführung der Elfriede Ott“ gezeigt, und obwohl ein solcher österreichischer Film nicht ganz in mein Beuteschema passt, wusste er sich doch mit seinem eigenen Charme und Humor gut zu verkaufen. So etwas ist oft einfach eine Frage der Herangehensweise, da hätte man sich auch elitär geben und keinerlei Spaß am Film haben können. Wäre in dem Fall auch nicht schade ums nicht ausgegebene Geld gewesen – aber wenn man schon in begeisterungsfähiger Begleitung und guter Stimmung aufkreuzt und sich auf Dialekt, Klischees und bisher fremde Kultur einlässt, wird das Ganze doch zu einem schöneren Erlebnis, nicht wahr? Selbiges gilt natürlich auch für französische und alle anderen Filme, die einem auf den ersten Blick vielleicht ein wenig merkwürdig vorkommen. Ein bisschen Offenheit und in diesem Fall Mut zur Profanität hat auch pseudointellektuellen Studentinnen wie mir noch nicht geschadet. (;

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Verfasst von - 24. März 2012 in Foto, Kultur, Wien

 

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Kuscheln mit Coli

Kuscheltiere kennt und liebt jeder. Zumindest liebte man mal – als Kind, vor langer, langer Zeit – den Kuschelteddy, ohne den das Einschlafen unmöglich war, das Pferdchen, in das schon der große Bruder gesabbert hat, und den Plüschtiger, der irgendwann beim Spielen im Sandkasten verschwunden ist. Oder aber später das Schießbudenkaninchen, das einem der erste Schwarm auf dem Volksfest geschenkt hat. Wer keine solche Vergangenheit aufzuweisen hat oder die Tradition fortsetzen will, dem seien ganz neue Formen der kuscheligen Begleiter vorgestellt. (:

In Teil 1, dem Beitrag, den ihr gerade lest, kommt die Biologin in mir durch – ich präsentiere mit einem dreifachen Tusch die Riesenmikroben! Stofftiere in Form von Kleinstlebewesen, die wir sonst nur vom Arzt oder aus dem Biounterricht kennen. Man mag gar nicht glauben, wie putzig einen da das Pfeiffersche Drüsenfieber anblinzeln kann! Aber lieber der Reihe nach.

Die Riesenmikroben stammen, wie so viel neumodisches Zeugs (haha, da spricht die innere Oma?), eigentlich aus den USA. Da ist auch ein größeres Sortiment der Viecher erhältlich (auch die Schweinegrippe), erreichbar über Giantmicrobes. Doch im Prinzip ist es natürlich dasselbe. Wir haben die Untergruppen…

  • Health (Gesundheit) – natürlich sind die meisten nicht gerade gesund, deswegen ein seltsamer Name, aber hier finden sich die Standardkränkeleien wie Erkältung, Husten und Magenschmerzen
  • Maladies (Krankheiten), z.B. Fußpilz, Mundgeruch, Akne
  • Exotics, z.B. Bierhefe, Penicillin
  • Calamities (Miseren), z.B. der Schwarze Tod
  • Critters (Kriechtiere), z.B. Bücherwurm, Kopflaus
  • Aquatics (Wasserlebewesen), z.B. Rotalgen
  • Venereals (Geschlechtskrankheiten), z.B. Herpes, Syphilis
  • Alimentaries (Nahrungsmittelbefallende), z.B. E. Coli, Salmonellen
  • Corporeals (körpereigene Wesen), z.B. Gehirnzellen, Fettzellen, rote und weiße Blutkörperchen, seit neuestem auch Eizelle und Spermium
  • Aerials (Luftviecher), z.B. Moskito
  • Menageries (frei übersetzt der Streichelzoo), z.B. Tollwut
  • Tropicals, z.B. Malaria
  • Ambulatories, z.B. Lyme-Borreliose
  • Infirmaries (Krankenhäuser? WTF? Vielleicht Erreger, wegen derer man ins Krankenhaus muss… aber das können doch wieder alle sein…), z.B. Windpocken, Lungenentzündung
  • Professional, z.B. HIV, Hepatitis
  • und zu guter letzt Medical, wo man den Riesenmikroben-Seifenspender in Form der lieben Erkältung findet.

Drauf gekommen bin ich natürlich über eine Ex-Biostudentin, die in einem wissenschaftlichen Zentrum werkelt und schon eine ganze Riesenmikroben-Gang im Büro hat. Ich bin dabei, auch eine kleine Familie anzusammeln – und in der Welt zu verbreiten. (:

Ronnie
Das hier ist Ronnie, die Nervenzelle (oder auch Neuron, deshalb der Name; kennt jemand von euch zufällig noch den Ronnie oder Ronny Bennett aus dem Englischbuch der ersten Lernjahre? *glucks* Er hat mit den Pearsons in einer Straße in York gewohnt… hier kann man ein paar mehr Informationen einholen und in Erinnerungen schwelgen, allerdings sagen mir die Französischleute eher weniger was, ich kenne da nur Arthur le perroquet… et boum – c’est le choc!). Meine allererste, von besagter Biologin geschenkt bekommen. Ich finde, wenn man ihn so rum betrachtet, sieht er aus wie ein Elefantenkopf. ^^

E. coli

Dann mein jüngster Erwerb, E. Coli! Das Schildchen hängt sogar noch dran. Es hat so ein süßes Lächeln und einen treuen Blick… *g* Die Fäden hab ich sogar schon mal geflochten (die Anzahl ist, wie ich festgestellt hab, passenderweise durch drei teilbar, das war sicher mit einkalkuliert), ergab auch ’ne hübsche Frisur. (:

Halsweh

Und dieses süße Schätzchen, das Halsschmerzerreger ist, geht irgendwann mal an eine Bekannte. (: Farblich gesehen mein Liebling!
HIV

Zuletzt zeige ich noch ein Weihnachtsgeschenk an meinen Freund. An der roten Schleife dürfte erkennbar sein, was es ist. *thihi* Es hat so einen niedlichen Hundeblick drauf… da will man sich gleich infizieren lassen. *hüstel* [realmodus]Nein, will man eigentlich nicht. AIDS will niemand haben. Leute, schützt euch davor und benutzt Kondome beim Sex![/realmodus]

Wer sie nicht über’s Internet bestellen will, sollte sich in den umliegenden Thalias (ich hab gehört, da gibt’s vereinzelt welche) und Comicläden umsehen. Für den Raum Nürnberg preise ich den Ultra Comix in der Vorderen Sterngasse an – der ist nicht nur an und für sich richtig toll, sondern hat in Bezug auf die Riesenmikroben auch eine große Auswahl! X3 (Auch, wenn ich das letzte Mal darum gebeten wurde, meine Brezel oder was auch immer ich grad gefuttert hab doch draußen fertig zu essen… sorry. >.< War aber auch irritierend, so eine Stimme von hinten beim Reingehen: ‚Na, wer isst denn da?‘ Ich dachte erst, er wolle sagen: ‚Na, wer ist denn da?‘ – und hab mich gefragt, woher der Kerl mich kennt. O.o‘ Uuuh, Ausrutscher.)

 
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Verfasst von - 15. August 2009 in Kaufen

 

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