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Bücher, die man gelesen haben muss – ‚Juli‘

16 Dez

Bücher die man gelesen haben mussSpät, aber besser als nie! Für Ulysses, den ich dann doch nicht geschafft habe, rückte nach: ‚Gormenghast‘ von Mervyn Peake. Zumindest Band 1. (Gelesen im September und Oktober.)

Der Autor hatte eine Reihe von etwa zehn Büchern geplant, konnte aber (ich berufe mich da auf den Wikipedia-Artikel) aufgrund seiner Parkinson-Erkrankung nur drei fertigstellen. Den ersten hab ich mir von meiner mittlerweile Ex-Mitbewohnerin und guten Freundin ausgeliehen, der zweite ist leider (bis auf den Einbandumschlag!) mysteriöserweise verschollen. Ich kann schon mal verraten, dass der erste Teil meine Neugier geweckt hat und ich – wenn ich die Challenge hinter mir und noch ein paar andere, zu lesende Bücher reingezogen habe – gern die Fortführungen lesen würde.

Wie mir bereits im Vornherein mitgeteilt wurde: Dieser Fantasy-Roman ist sehr ungewöhnlich. Und der Auffassung, das Schloss würde wie der eigentliche Hauptprotagonist erscheinen, kann ich teilweise zustimmen.
Es hat gedauert, bis das Werk mich in seinen Fängen hatte. Der deskriptive Schreibstil sorgt für so manche Längen, und es dauert, bis die behutsam und düster aufgebaute Handlung an Tempo gewinnt. Aber es ist plausibel, und deswegen mochte ich es, obwohl ich zugeben muss, dass ich die eine oder andere längere Beschreibungspassage überflogen habe. Aber nur, wenn ich es wirklich kaum mehr aushalten konnte – denn die Beschreibungen gestaltet der Autor sehr eigentümlich, unkonventionell, mit unüblichen Vergleichen, die aber zeigen, dass er ein sehr präziser Beobachter des Lebens ist. Das hat mir extrem gut gefallen, weil ich auch selbst ein bisschen in die Richtung tendiere und das gern ausbauen würde. Nur vielleicht etwas leserbekömmlicher. Es waren so einige Stellen dabei, die ich toll fand und mir gleich abschreiben musste. Zum Beispiel:

Das ist eine Liebe, die in ihrer Kraft der Liebe zwischen Mann und Frau gleichkommt und genauso tief reicht. Es ist die Liebe eines Mannes oder einer Frau für ihre Welt. Für die Welt ihres Innersten, wo ihr Leben rein und mit freier Flamme brennt.

Bild von amazon.de

Die Charaktere, oh, die Charaktere sind faszinierend skurril. Bei keiner der Vorstellungen habe ich gleich Sympathien für jemanden gehegt, die haben sich höchstens im Verlauf des Romans entwickelt und auch da nur teilweise. (Meine Favoriten sind ja der Lord und auch ein bisschen Steerpike, der olle Slytherin. Und ein wenig Fuchsia.) Manche nerven gewaltig, aber auch das sehr nachvollziehbar. Aber ich glaube, es wird langsam Zeit, zu umreißen, worum es überhaupt handlungsmäßig geht.

Gormenghast ist ein uraltes Schloss und wird bewohnt von der uralten Familie Groan, die offenbar über die umliegende Gegend herrscht. Man hätte kaum mehr damit gerechnet bei dem Verhältnis zwischen dem Grafen (büchervernarrt, höchst melancholisch) und der Gräfin (tiervernarrt, verbringt ihre Zeit mit den Vögeln oder ihrem Heer an weißen Kätzchen), doch ein Erbe ist unterwegs. Und das verändert die Bewohner des Schlosses – Tochter Fuchsia (naturvernarrt, sturköpfig, freiheitsliebend), die nicht mehr der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit ihres Kindermädchens ist, beispielsweise. Und die Schwestern des Grafen, die törichten, machthungrigen Zwillinge. Aber auch das Leben der Bediensteten verändert sich mit der Geburt von Titus, persönliche Fehden werden sorgfältig geplant und ausgetragen. Und als gäbe es nicht schon genug Konfliktpotential, schleicht sich auch noch der intelligente Küchenjunge Steerpike an Orte und in Situationen, von denen er nichts mitbekommen dürfte, was er schamlos zu seinem eigenen Vorteil ausnutzt, um in eine einflussreiche Position zu gelangen.

Nach dem Chaos, das dann seinen Lauf nimmt und verheerende Konsequenzen hat, bin ich fast wie erstarrt zurückgeblieben. Und wenn ich weiß, dass die Geschichte weitergeht, kann ich kaum anders, als das auch irgendwann noch nachzuholen. Außerdem interessant: Die Story wurde verfilmt! (Und sogar eine Oper draus gebastelt, aber ich fürchte, die zu sehen ist unwahrscheinlicher, als dass ich mir den Film besorgen kann.)

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Verfasst von - 16. Dezember 2013 in Kultur, Lesen

 

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