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Kinder, idealistisch

14 Mai

Irgendwann beschließt man, einem kleinen Wicht das Fahrradfahren beizubringen. Man kauft ein hübsches, sicheres Rad mit Stützrädern und einen kleinen Fahrradhelm dazu, und eines Tages, wenn alle Vorkehrungen getroffen sind und der richtige Moment kommt, lässt man den kleinen Menschen das Rad erklettern, dabei selbst vorsichtig die Hände nach ihm ausgestreckt, falls er von der Pedale rutscht. Man erklärt ihm, wo man sich festzuhalten hat und wie das Ganze funktionieren soll, dann lässt man den Zwerg selbst herumprobieren, und auf den Stützrädern fährt er seine ersten kurzen Strecken, versucht sich darin, immer schneller zu fahren und enge Kurven zu nehmen. Der kleine Mensch erkundet in seinem Tempo das Fahrzeug und die Umgebung, verschiedene Routen und diverse Manöver.

Bis, ja, bis man den Eindruck hat oder von ihm darauf angesprochen wird, man könne es ja mal ohne Stützräder probieren. Wieder steigt die Spannung, man gibt nochmals ein paar wichtige Tipps zum Gleichgewichthalten und zum Lenken, dass da vorn an der Bordsteinkante besser aufgepasst werden sollte, auch wenn man mit den Stützrädern schon ein paar Male darübergesaust ist und vielleicht schon ein Gespür dafür entwickelt wurde. Das Menschlein macht sich bereit, wirft einem noch den vorerst letzten Blick über die Schulter zu – findet sich etwa Ungeduld darin? Man umklammert den Rahmen, den Gepäckträger oder den Sitz von unten, das Kommando wird gegeben! Anfahrt, Schwung holen, ordentlich in die Pedale treten, man läuft nebenher, gemütlich, dann immer schneller und schneller, der Wicht mit dem Fahrradhelm lässt die Zungenspitze seitlich zwischen den Lippen hindurchlugen und strampelt, strampelt, man testet kurz an, ob es auch ohne einen selbst gehen wird, und siehe da, es sieht ganz gut aus, trotzdem wird der Griff noch einmal verstärkt, man sammelt noch ein wenig mehr Schwung, steckt noch etwas mehr Kraft in die Fahrt, schiebt das Rad ordentlich an – und lässt los…

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Ein Kommentar

Verfasst von - 14. Mai 2012 in Kreatives

 

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Eine Antwort zu “Kinder, idealistisch

  1. Adrian

    17. Mai 2012 at 21:45

    Melancholie! Ich hab mir Elle und Speiche (rechter Arm) gebrochen mit einem ersten Rad. Am ersten Tag. Mit Stützräder. Das waren schöne Zeiten.

     

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