RSS

Frühling, Teil 6 – Ende

09 Apr

Ich war nach der letzten Schulstunde mit Regulus am See spazieren gegangen, und wir hatten uns vor dem Abendessen noch kurz gemütlich in der Dämmerung ans Ufer setzen wollen. Der Maiwind wurde mit der schwindenden Sonnenwärme frischer, und höchst gentlemanlike legte mir Regulus deshalb seinen Umhang um, wobei er seine Hände noch einige Sekunden länger als unbedingt nötig auf meinen Schultern ruhen ließ.

In diesem Moment hörte ich rasche, stapfende Schritte von hinten und gleich darauf – ohne mich umgedreht zu haben – meinen Namen. So harsch, wie ihn nicht einmal Professor Kesselbrand hätte aussprechen können. Es war Quentin. An seiner Mimik war kaum ein Gefühl abzulesen, aber mit seinem im Wind wehenden Mantel und den verwuschelten Haaren wirkte sein Auftritt trotzdem dramatisch.

Während ich mich aufrappelte, Regulus‘ Umhang noch an den Schultern, fiel mir siedend heiß ein, dass Quentin und ich uns in der Bibliothek verabredet hatten und er nun vergeblich auf mich gewartet haben musste. Wahrscheinlich war er sogar extra in den Gemeinschaftsraum gestiegen, um dort nach mir zu sehen, dann in die Große Halle, und nun … Ich entschuldigte mich zunächst beim fragend dreinblickenden Slytherin mit den haselnussbraunen Augen durch ein kurzes »Moment«, bevor ich meinem Hauskameraden entgegenging. »Quentin«, begann ich mit gerunzelter Stirn, »ich hab unser Treffen total vergessen, und …«

Doch er fuhr dazwischen, mit etwas, das so unerwartet kam, dass mein Unterkiefer herunterklappte: »Gut, von mir aus kannst du mit Sirius Black« – der Name kam ihm über die Lippen wie etwas, das er nicht einmal mit dem Zauberstab antippen würde – »rummachen, du kannst auch was mit seinem Brüderchen haben oder mei-net-we-gen auch mit allen beiden gleichzeitig – aber es wär‘ nett, wenn ich auch noch was von deinem Leben mitkriege und nicht ständig versetzt werde, verdammt!«

Sofort schrillten in meinem Kopf mehrere Alarmglocken. Ich wusste, dass Regulus mitgehört haben musste (was bei Quentins Erwähnung von einem möglichen Verhältnis mit Sirius natürlich ganz und gar nicht vorteilhaft war), und dass bei meinem Freund aus Ravenclaw und mir etwas noch schiefer gelaufen war, als ich es mir ausgerechnet hatte. Doch wie sollte ich darauf reagieren?

»Mit Sirius?«, stammelte ich schließlich. »Mit dem hab ich vielleicht zwei Worte gewechselt, und ich war ewig nicht mehr wegen ihm mit dir im Unterricht.«

Quentin ging nicht darauf ein, dass ich stattdessen wegen ihm und den Kursinhalten meine Freistunden bei den Siebtklässlern verbracht hatte. »Zwei Worte, ja? Was war denn das mit der ’süßen Ravenclaw‘, hm?«

Ich spürte, wie meine Wangen heiß wurden bei dem ganzen Blut, das mir so plötzlich in den Kopf schoss. Wollte er mich absichtlich schlecht vor Regulus da stehen lassen? Und das, wo es gerade schon fast so etwas wie romantisch geworden ist, das erste Mal überhaupt für mich. Wütend wurde ich auf Quentin. »Wenn ich dir die Geschichte erzählt hätte, hättest du mich doch nur wieder wegen dem bisschen Herumgeschwärme lächerlich gemacht! Ich bin abends mal Sirius über den Weg gelaufen und hab‘ etwas mitbekommen, was nicht für meine Augen bestimmt war.« Sollte ich ihm auch noch das Geheimnis erzählen? »Etwas, das mit seiner Clique zu tun hat. Und ich sollte ihm versprechen, dass ich nichts weitererzähle, mehr ist nicht vorgekommen.« Ich sog einmal scharf Luft ein. »Hättest dir ja denken können, dass er in seiner Art ein bisschen unnötig herumflirtet, oder?« Dummkopf, wollte ich am Liebsten hinzusetzen und verkniff es mir nur schwerlich. Wenigstens sah er ein bisschen betroffen aus. Doch ich musste ja auch noch zu meiner Entschuldigung kommen, da war es unvorteilhaft, ihn zu beleidigen.

»Es tut mir wirklich leid, dass ich dich heute vergessen habe, und dass ich nicht mehr so viel mit dir unternommen habe, mit deinen Prüfungen und allem. Aber ich … mag dich immer noch, und ich werde dich weiterhin über die wichtigen Sachen informieren, über die unwichtigen auch, wenn du nicht gerade im Stress bist.« Mit einem kurzen Blick über die Schulter, wo Regulus uns den Rücken zukehrte und so tat, als würde er nichts mitbekommen, fuhr ich fort: »Das wird zwar keine Parallelbeziehung mit den Blacks beinhalten …« – Augen zusammengekniffen und weiter: »Vielleicht werde ich noch was mit Regulus haben, vielleicht auch nicht. Du kriegst es mit, wenn du nicht ständig genervt guckst, sobald ich von sowas erzähle. Sonst kannst du’s vergessen.«

Noch etwas überwältigt von meinem Redeschwall, sagte erst einmal niemand etwas. Dann, ganz langsam, nickte Quentin. Längst war er zu seiner ursprünglichen ruhigen Verfassung zurückgekehrt und hatte den aufbrausenden Vulkangott gegen den normalen Ravenclaw (na gut, vielleicht noch mit ein paar pyromanen Avancen) eingetauscht. »Ich werde mich bemühen.« Nach einer weiteren kurzen Pause setzte er unvermittelt hinzu: »Abendessen?«

Ich seufzte, vorsichtig grinsend. War’s das schon? Hatte er verstanden? Und erreicht, was er wollte? Offensichtlich, denn sauer sah er nicht mehr aus. Für einen verbitterten, nachtragenden Kerl hatte ich ihn auch nicht gehalten. Also antwortete ich versöhnlich: »Gleich, ja?«

Auf dem Absatz wandte ich mich zu Regulus‘ Rücken – sicher nicht weniger entzückend als der seines arroganten Bruders – um. Dafür, dass er den tauben Unbeteiligten spielte, saß er jedoch etwas zu steif im Gras. Naja, vielleicht ein Körperklammerfluch? »Ich glaube, ich muss mal eben nachfragen, ob er für die nächste Zeit geplant hat, mit mir rumzumachen, dann können wir essen gehen.« Oha, dachte ich über mich selbst, aber nach der Andeutung, wir könnten irgendwann mal etwas miteinander haben, würde ihn das sicher auch nicht mehr überraschen.

Vorsichtig erhob Regulus sich, als er hörte, wie ich mich wieder näherte, klatschte sich die Hose fahrig sauber und drehte sich zu mir um. Sein Gesichtsausdruck war schwer zu deuten, und so war ich unsicher, ob ich nicht vielleicht doch etwas Falsches gesagt hatte. Das leichte Lächeln war von meinen Zügen verschwunden. Dann allerdings nahm er meine beiden Hände in die seinen, beugte sich ein wenig zu mir herunter und gab mir einen vorsichtigen Kuss auf die linke Wange. »Das mit dem Rummachen lässt sich verschieben, Maya«, sagte er, und ich merkte, wie er trotz Unsicherheit und Zurückhaltung versuchte, entspannt die Mundwinkel zu heben. »Lasst es euch schmecken, wir sehen uns später.«

Zum Ende dieses Frühlings war ich – wie außer mir nur ein weiteres Mädchen, das aber keinen seiner Witze verstanden hätte – verliebt in Regulus Black.

Advertisements
 
Ein Kommentar

Verfasst von - 9. April 2012 in Kreatives, Lesen

 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

Eine Antwort zu “Frühling, Teil 6 – Ende

  1. Adrian

    11. April 2012 at 11:32

    Naja, du kennst meine Meinung aber ich knall sie hier auch noch drauf: Super. Ich mag die Geschichte und die Charaktere. Bin gespannt was folgt.

     

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: