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Archiv der Kategorie: Kultur

Genius, billionaire, playboy, philanthropist

Vom unerwarteten Verfallen einem Kerl in Stahlkostüm.

Iiiich habe mich Freitag in einen 3D-Hollywood-Blockbuster-Superhelden-Film bequemt. Wer hätte das gedacht? Und wer von denen, die nun bereits an meinen sozialen Qualitäten als Kinobegleiterin, obwohl man den Film nicht von sich aus anschauen würde, zweifelten, hätte gedacht, dass mir The Avengers dann auch noch gefällt?

Schuld daran sind wohl die Verständlichkeit des Films ohne Hintergrundwissen, die witzigen Dialoge und vor allem die Charaktere von Tony Stark (Iron Man) und Bruce Banner (-> Hulk). Unstereotype Nerds. Anzuschmachtende Schauspieler (Robert Downey Jr. und Mark Ruffalo, wobei ich unbedingt auch die Umsetzung von Edward Norton sehen will). Nyarrrrrrrrrrrrrgh! ❤_❤

Das war’s auch schon wieder. :D

 
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Geschrieben von - 21. Mai 2012 in Kultur

 

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Willkommen in illustrer Runde!

Ich habe nach Kunstausstellungsbesuchen oft den Drang, mal wieder selbst etwas Zeichnerisches oder Malerisches zu Papier zu bringen. Das mag angesichts hochkarätigen Werken seltsam klingen, da man sich da möglicherweise eher niedergeschmettert vom eigenen Nichtvermögen fühlt, aber obwohl dieser Gedankengang auch durchaus zu mir passt, haben solche Besuche bei mir eher inspirierende Wirkung; vielleicht rufen sie mir auch einfach nur unterbewusst ins Gedächtnis, dass ich da ja auch ein paar Gelegenheiten ergreifen könnte.

Und so griff ich gestern Abend – nachdem ich Freitag mit einem netten Mitstudenten bei den nur noch eine Woche dort verweilenden Impressionisten in der Albertina vorbeigeschaut habe – wieder einmal zu Bleistift, Aquarellkasten und Pinseln. Mir war der Gedanke gekommen, meine bereits hier veröffentlichte Fanfiction zu illustrieren. Das nicht zufriedenstellende, aber um mal ein bisschen geübt zu haben annehmbare Ergebnis könnt ihr hier, auf der neu erstellten Seite (auch oben rechts auf der Seite auffindbar), betrachten. :]

 
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Geschrieben von - 6. Mai 2012 in Foto, Kreatives, Kultur, Lesen, Wien

 

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Geburtstagsbücher

In Sachen Neuerwerb von Literatur war mein Geburtstag – mittlerweile fast einen Monat her – ein kleiner Erfolg. Dazu brauche ich nicht einmal die beiden auf dem Foto sichtbaren Reinschreibbücher (das rechts ist mein neues Adressbuch) mitzuzählen. Was mir allerdings aufgefallen ist: Meine Sammlung an Sachbüchern ist ziemlich angestiegen, dabei lese ich diese Sorte weniger gern, wenn ich ohnehin schon viel zu tun habe und mich lieber nebenher mit schöner Literatur beschäftige.

Die Sammlung:

  • “Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat”, Pierre Bayard
  • “Bibbi Bokkens magische Bibliothek”, Jostein Gaarder und Klaus Hagerup
  • “Erotische Lyrik der galanten Zeit”, ausgewählt von Hansjürgen Blinn
  • “Die Fahrt der Beagle”, Charles Darwin
  • “Mordspuren. Neue spektakuläre Kriminalfälle, erzählt vom bekanntesten Kriminalbiologen der Welt”, Mark Benecke
  • “Aus der Dunkelkammer des Bösen. Neue Berichte vom bekanntesten Kriminalbiologen der Welt”, Mark Benecke

Das erste Buch befindet sich seit einer entsprechenden Empfehlung von Redakteuren der Süddeutschen Zeitung auf meiner will-ich-unbedingt-lesen-Liste, und es ist gerade dabei, meinen Blick auf das Lesen selbst und Bücher, die man angeblich gelesen haben muss, zu verändern, wie es der Titel schon erahnen lässt. :] ‘Bibbi Bokkens magische Bibliothek’ habe ich vor Jahren gelesen, fand es wundervoll und habe es mir deshalb von einer Freundin schenken lassen. :3 Nach Bayards Kategorisierung fiel es für mich leider auch schon ein bisschen in die Kategorie ‘VB – vergessenes Buch’, weswegen ich es erstens überhaupt mal gern haben und zweitens gleich nochmal lesen wollte. Die erotische Lyrik stammt ebenfalls von einer Freundin, und da lässt sich hübsch drin schmökern und ästhetisch formulierte Andeutungen ‘enträtseln’. Und wie die dritte Freundin und Mitbewohnerin sich richtig dachte, gehört etwas aus der Feder von Charles Darwin zur Pflichtlektüre von jemandem, der mit Biologie zu tun hat.

Ebenfalls biologisch interessant sind die letzten beiden Bücher im Bunde. Ich kann zwar nicht verifizieren, dass Mark Benecke der bekannteste Kriminalbiologe der Welt ist, aber mit dem Untertitel scheint er gut Werbung machen zu können und ich bin mittlerweile ein Fan von ihm. :D Bei solchen Büchern neige ich zwar leider dazu, die Fälle und besonders relevante Basisinformationen bald wieder zu vergessen, aber ich mag die Art, wie er sie dem Lesepublikum näher bringt und die Schwerpunkte, die er setzt. Ich würde ihm selbst gern mal über die Schulter schauen… Was mich nun daran erinnert, dass ich auch Medizinstudenten bei ihrem Sezierkurs gern über die Schulter sehen würde, nachdem er in meinem Studiengang von einem Knochenpraktikum ersetzt wurde, ich aber gern die Art und Vorgehensweise in einem Sezierkurs kennen lernen würde. Mein Freund sieht darin eher die Neugierde, (tote) Menschen aufgeschnitten werden zu sehen, was er eher abstoßend findet und womit er allerdings nicht ganz falsch liegen mag – ich hoffe jedenfalls, dass mich Anblick und Geruch nicht dermaßen irritieren, dass ich an Ort und Stelle umkippe. Das wäre als Gast in der Übung mehr als peinlich.

Von ihm (meinem Freund) habe ich neben einem der Benecke-Bücher übrigens auch ein kleines Hessisch-Wörterbuch bekommen. So etwas taugt zwar kaum zum Durchlesen, aber vielleicht erweist es sich dennoch als hilfreich, wenn ich ihn mal wieder besuche. :D

Den Fortschritt bei denjenigen Büchern, die nicht schon zu alt sind, dokumentiere ich seit kurzem auf Goodreads. Solltet ihr euch auf dieser Plattform auch mal herumtreiben und gelesene sowie noch zu lesende Literatur dokumentieren, fügt mich doch als Freundin hinzu.

 
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Geschrieben von - 27. April 2012 in Alltag, Biologie, Foto, Kaufen, Kultur, Lesen, Spielereien, Studium

 

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Der Narrenturm und andere Anatomien

- endlich wieder Museen. :3 Und Filmkultur, aber zu der später.

Dienstag bin ich einigermaßen spontan (am Tag vorher entschieden und bescheidgegeben) zu einer von der Studienvertretung Biologie (eigentlich eher für Zweitsemestrige und so, war aber nicht die einzige ‘Ältere’) organisierte Führung durch den sogenannten Narrenturm in Wien gegangen. Dabei handelt es sich um ein zwar rundes, aber relativ breites und flaches Gebäude, was ich ja nicht unbedingt mit einem Turm assoziiere, in der Nähe bzw. als Teil des Unicampus (wo ich mich nur selten aufhalte, das ist eher Gebiet einiger Sprach- und Kulturwissenschaftler, wir haben ja das Biozentrum in der Nähe von Geo und Pharmazie sowie der Wirtschaftsuniversität). Einst das erste Gebäude für eine psychiatrische Anstalt in Europa, wurde es auch als Depot der Unikliniken und Ärzte- wie Schwesternunterkunft genutzt – mittlerweile beinhaltet es das pathologisch-anatomische Bundesmuseum Österreichs, was auch nach der kleinen historischen Einleitung den Großteil der Führung einnahm. Dennoch spannend zu hören, wie sich im 18. Jahrhundert die ersten therapeutischen Institutionen bildeten – selbst, wenn diese Therapien wie Aderlässe und Kälteschocks aus heutiger Betrachtung wenig sinnvoll erscheinen, war es doch eine wichtige Entwicklung, “Geisteskranke” nicht mehr aufgrund ihrer “Abnormalität” in Gefängnisse zu werfen, sondern eben ihr abweichendes Verhalten als Krankheit zu verstehen und nicht durch (physische) Bestrafung zu verändern suchten.

Leider war das Fotografieren nicht gestattet, doch finden sich einzelne Bilder online, und ich erlaube mir mal, diese (hauptsächlich von diepresse.at) zu verlinken. Nach einem lateinischen Begrüßungsspruch (his locus est ubi mors gaudet succurrere vitae) über der Tür des Stockwerks, in dem sich die Exponate befinden, ging es zunächst in eine Kammer voller Feuchtpräparate, also in Formalin eingelegte Organe, die großteils so ähnlich aussahen, wobei hauptsächlich Lungen ausgestellt waren. Durch den schmalen Rundgang ging es dann einmal im Kreis, wobei sich zu beiden Seiten Vitrinen mit Ausstellungsstücken befanden, die früher für (angehende) Ärzte von Nutzen waren. Skelette neugeborener siamesischer Zwillinge (ein paar Janusköpfe) und anderer Anomalien, Bilder (wie von der Frau mit den zwei Vaginae und drei Beinen und dem Mann mit den drei Penissen und Beinen, die sich, als sie voneinander erfuhren, unbedingt treffen wollten), aber auch sehr viele Moulagen, also künstliche Präparate, bei denen ein Wachsabzug des kranken Körperteils gemacht und anschließend authentisch bemalt wurde, sodass man tatsächlich den Eindruck hat, echte Gliedmaßen vor sich zu haben, die von Tumoren und Hautabszessen, hervorgerufen durch diverse (Geschlechts-)Krankheiten, durchzogen sind.

Nichts für schwache Gemüter also. Wer mit so etwas aber umgehen kann, dem sei ein Besuch (auch außerhalb der Öffnungszeiten – wie bei uns – möglich, nur leider lief es wegen verspätetem Beginn ein wenig stressig und wir konnten danach auch nicht mehr im Museumsshop stöbern, wo sie auch meine geliebten Riesenmikroben und allerlei anderes, was Biologen- und Medizinerherzen höher schlagen lässt (Kugelschreiber in Spritzenoptik!), anbieten) für um die fünf Euro wärmstens ans Herz gelegt. Nachdem ich auch zugegebenermaßen zweifelhafte Ausstellungen wie Körperwelten unglaublich interessant finde, konnte ich dem nicht widerstehen und werde mir auch das Josephinum, das eher weniger Wert auf Krankheiten legt, nicht entgehen lassen. Wien bietet da wirklich ein paar schöne morbide Möglichkeiten, wofür die Stadt auch bekannt sein soll… Immerhin habe ich diesbezüglich bereits letzten Sommer das Bestattungsmuseum, die Kapuzinergruft sowie den Friedhof der Namenlosen besichtigt, findet man auch nicht überall.

Außerhalb von Wien freue ich mich schon auf den demnächst anstehenden, von meiner Mama organisierten Besuch im Sonneberger Museum eines Herstellers für Lehrmodelle (SOMSO), die auch besonders in der Anatomie Anwendung finden. Und ich ärgere mich noch ein bisschen, dass wir es in Basel nicht in die für Anthropologen eigentlich unauslassbare Ausstellung “Knochenarbeit – wenn Skelette erzählen” geschafft haben. Die Plakate haben mir schon sooo Lust gemacht (möglicherweise auch, weil Bezeichnungen wie ‘Konzertpianistin’ oder ‘Primaballerina’ mich zur Identifikation und zum Schwärmen verleiten… schon allein aus ästhetischen Gründen), aber das naturhistorische Museum hatte dann schon zu.

Ansonsten war gester Abend kulturell noch sehr fein, Bäggi und ich haben nämlich eines der Programmkinos, das Mitveranstalter von “Eine Stadt, ein Film” war, besucht. An einem Tag wurde in mehreren Kinos gratis “Die unabsichtliche Entführung der Elfriede Ott” gezeigt, und obwohl ein solcher österreichischer Film nicht ganz in mein Beuteschema passt, wusste er sich doch mit seinem eigenen Charme und Humor gut zu verkaufen. So etwas ist oft einfach eine Frage der Herangehensweise, da hätte man sich auch elitär geben und keinerlei Spaß am Film haben können. Wäre in dem Fall auch nicht schade ums nicht ausgegebene Geld gewesen – aber wenn man schon in begeisterungsfähiger Begleitung und guter Stimmung aufkreuzt und sich auf Dialekt, Klischees und bisher fremde Kultur einlässt, wird das Ganze doch zu einem schöneren Erlebnis, nicht wahr? Selbiges gilt natürlich auch für französische und alle anderen Filme, die einem auf den ersten Blick vielleicht ein wenig merkwürdig vorkommen. Ein bisschen Offenheit und in diesem Fall Mut zur Profanität hat auch pseudointellektuellen Studentinnen wie mir noch nicht geschadet. (;

 
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Geschrieben von - 24. März 2012 in Foto, Kultur, Wien

 

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Rock, Paper, Scissors – which one is, it’s your decision

If you really want you can change like the weather
No matter what you do it’ll keep getting better
You can be the sun and the moon and the stars
Or the bass or the drums or the lead guitar

Sie sind – schon ein Weilchen, zugegeben – wieder da, mit einem neuen Album: Katzenjammer, rawr! Ich hab’s mir endlich bestellt, und gestern ist’s zusammen mit Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele angekommen. Während mich das Buch optisch ein wenig enttäuscht hat, weil es gewisse Ähnlichkeiten zu einem Mängelexemplar aufwies, höre ich mir nun die CD – A Kiss before you go – an.

Auf die Band selbst bin ich vor gut zwei Jahren gestoßen, durch den Tipp eines Users in einem heute nicht mehr existenten Forum (ich sag nur “Mais” und “Verdruss” – war, abgesehen von meinem Freund, das Beste, was ich daraus mitgenommen hab). Ein Weilchen darauf war ich auch gleich (mit meinem Freund ^_^) auf einem Konzert. Und ich liebe den Stil, musikalisch wie optisch. Solveig hat in Nürnberg die geilsten Stiefel überhaupt getragen! Und damit wären wir auch schon bei den Bandmitgliedern.

Die vier norwegischen Mädels bieten eine breite Variation an Musikinstrumenten an, die sie laufend untereinander tauschen. Ich quote einfach mal aus Wikipedia: “Zu den verwendeten Instrumenten gehören Bass-Balalaika, Akustik- und E-Gitarre, Akkordeon, Mandoline, Klavier, Schlagzeug, Geige, Mundharmonika, Banjo, Trompete, Ukulele, Glockenspiel, Kazoo und auch improvisierte Instrumente wie Blecheimer.” Und sie sind so niedlich wie rockig, so verspielt wie tragend-ernst. Facettenreich wie ein Kaleidoskop*, gekauft auf einem Flohmarkt in einer russischen Kleinstadt, bei einem kleinen Weihnachtsmarkt oder auf dem Montmartre.

Relativ bekannt ist die Single-Auskopplung ‘I will dance (when I walk away)’ geworden, außerdem findet sich eine scharfe Coverversion von ‘Land of Confusion’ auf dem aktuellen Album, welches optisch tiefseehaft gestaltet ist. (Schon wieder ein Anstoß für meine Unterwasser-Fotoaktion, hehe.)

Hier verlinke ich mal ein nettes Fanvideo zu einem meiner Lieblingssongs (noch vom alten Album Le Pop), vielleicht kann man das ja in Deutschland sehen?

Und, was seid ihr – Schere, Stein oder Papier? (Wurde heute passenderweise im medienwissenschaftlichen Proseminar vorgeschlagen, weil man sich bei der Referatverteilung nicht einigen konnte, haben die Mädels aber leider nicht gemacht.)

 
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Geschrieben von - 21. März 2012 in Blog, Musik, Kaufen, Lesen, Kultur

 

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Eine Stunde Stehen

- eine serbisch-orthodoxe Mitternachtsmesse

Orthodoxe Christen feiern Weihnachten etwa zwei Wochen später – am 6. und 7. Januar. (Dies liegt daran, dass sie sich noch am julianischen statt am gregorianischen Kalender orientieren – weil der Tag des Jüngsten Gerichts somit auch erst zwei Wochen später kommt. Und welch Zufall, ich kenne ein Pärchen, bei dem der Kerl Gregor und das Mädel Juliane heißt… Aber darum sollte es eigentlich gar nicht gehen. Also: Orthodoxe. Weihnachten.) Eine meiner Mitbewohnerinnen gehört dieser Religion an, und so haben wir die letzten Tage erneut Weihnachten gefeiert und viel zu essen gekriegt. Außerdem hat sie mich gestern Nacht – vom 6. auf den 7., da soll Jesus auf die Welt gekommen sein – mit in die Mitternachtsmesse genommen.

Ich habe zwar erst wenige Minuten zuvor erfahren, dass dies bedeuten soll, zwei Stunden zu stehen, uff, aber das hat mich neugieriges Weib dann doch nicht daran gehindert, mitzukommen. Im Notfall könnte ich dann ja auch früher gehen. Wir waren etwas spät dran und eilten zur Geisterstunde durch die Wiener Gassen ein paar Straßen weiter in Richtung Belvedere – da befindet sich die Kirche zum Heiligen Sava (Fassadenbild hier bei Wiki). Wer auf den Link geklickt hat, der sieht, dass sie von außen sehr unscheinbar aussieht, fast wie ein normales Wohnhaus. Das große Geld kriegen eher die russisch-Orthodoxen, die um die Ecke einen riesigen Sakralbau mit goldenem Zwiebeldach im Garten der russischen Botschaft haben.

Lustiges Detail: Vorher beherbergte das Gebäude der Serben ein Gasthaus mit dem Namen “Küss den kleinen Pfennig”.

Drinnen geht es auch nicht auffälliger weiter, was uns allerdings als erstes auffiel: Es war proppevoll. Was man hin und wieder auch roch. Später sagte meine Mitbewohnerin, sie würden alle nach Sauerkraut riechen (einem Nationalgericht der ‘Jugos’); ich nahm bei genauerem Hinschnuppern eigentlich nur den Geruch verschwitzter Turnschuhe wahr… Ein paar Leute standen auch draußen, weil gar nicht alle reinpassten in den größeren rechteckigen Raum, der in den Farben mittelblau, gold und rostrot gehalten ist. In etwa in der linken Hälfte standen die Frauen, in der rechten die Männer, mit Blick auf die Holzvertäfelung, die den Großteil der gegenüberliegenden Wand beansprucht und wie die Wände einige Ikonen beherbergt. Düsterfarbige Ikonen mit eher dunkelhäutigen Personen darauf, was zumindest mehr Authentizität als westchristlichere Darstellungen besitzt. Auch diesen Bildern sah man allerdings einen gewissen Geld- oder Professionalitätsmangel an, und ich finde die beiden großen Ikonen, die meine Mutter bei uns daheim aus ästhetischen Gründen an die Wände gehängt hat, schöner als jedes Bild, das ich in dieser Kirche sah (diese wirkten teilweise wie schlecht aufgeklebte Panini-Sticker). Zugegebenermaßen war das aber auch nicht so viel – wir mussten uns immerhin erst vom Vorzimmer (in dem unpraktischerweise ein kleiner dicker Teppich auslag, über den jeder, der hinauswollte, mir an die schmächtige Brust stolperte und ich ein leichtes Gefühl sexueller Belästigung empfand) in den Großraum ‘kämpfen’ (warten, bis jemand rauskommt, was immerhin nicht so selten vorkam, und dann ein Stück weiter vorrücken). Es hatte somit teilweise etwas Rockkonzerthaftes. Und ganz vorn zu erspähen: die Groupies mit den Kopftüchern, meist sehr alte Frauen. Was nicht heißen soll, dass keine jungen Menschen dabeiwaren. Die gingen anschließend teilweise sicherlich noch in die Disco.

Eine weitere Gemeinsamkeit mit einem Konzert ist der Gesang. Normal gesprochen gebetet wird selten, meist handelt es sich dabei um einen melodischen Singsang von einem oder mehreren Vornestehenden (Männer und Frauen). Überraschenderweise klang es für mich weniger nach Moll denn nach Dur, da kann ich mich aber auch irren. ^^ Ob es der/ die Priester waren, die sangen, weiß ich nicht genau – die befanden sich jedenfalls nicht mal so recht im selben Raum. Im hölzernen Wandrelief befindet sich ein Durchgang in ein Hinterzimmer, in dem sie von der Gemeinde wegbeten. Auf Serbisch; einmal wurde auch kurz etwas auf Deutsch gebetet, mit einem nicht so leicht zu verstehenden Akzent. Hin und wieder glaubte ich, Begriffe zu verstehen, aber gleichzeitig bezweifelte ich, dass sie für ordentliche Osmose und gegen Diarrhöe beteten. O.o Aber fast durchgehend in Melodien (zwischendurch erklang leise ein Stimmgerätsummen wie von einer Mundharmonika, das ich noch von Acappellaauftritten kenne). Seltsamen Melodien, deren Verlauf man als Uneingeweihter nicht wirklich voraussagen kann. Andere kannten sich natürlich aus – einmal stand schräg hinter mir eine leise mitsingende Frau, die verwirrenderweise zwischendurch die Tonlage änderte, weil sie wohl doch nicht so hoch hinauf oder tief hinunter kam. Gegen Ende (wir standen doch nur bis ein Uhr, dann bekamen diejenigen, die die letzten zwei Monate brav gefastet hatten, was zu essen) kam es mir vor, als würde die Publikumsbeteiligung hochgehen, vielleicht, um nicht einzuschlafen.

Außerdem nicht zu vergessen: das Bekreuzigen. Spiegelverkehrt zum katholischen (und evangelischen und einigen anderen…). Und alle paar Minuten, wobei irgendwie nicht immer jeder bekreuzigt – das hat in mir die Überlegung hochgebracht, dass vielleicht eine Art Fürbitten gebetet werden, und man kann sich bekreuzigen, wenn einem die eben gebetete Bitte wichtig ist. Und ob ich mich vielleicht manchmal bei Bitten bekreuzigte wie “Lass mich nicht allzu bald sterben” (vielleicht eher für ältere Menschen gedacht) oder “Mach, dass meine Frau mich weiterhin brav bedient”. Daran hätten mich Umstehende nämlich vielleicht als Eindringling entlarven können! Und dass diese vielleicht nicht so gern gesehen sein könnten, stellte ich im Nachhinein fest, als ich heute bei Youtube nach orthodoxen Gebeten suchte. Der erste Kommentar, den ich las, stand bei einem Ausschnitt eines ökumenischen Gottesdienstes von verschiedenen orthodoxen Untergruppen, und lautete:

“Es ist ALLEN ORTHODOXEN CHRISTEN VERBOTEN an solchen Ökumene [sic] Gottesdiensten teilzunehmen. Jeder Priester der so etwas tut sollte abgesetzt werden.”

Keine Ahnung, ob ich nun die heilige Messe mit meiner katholischgetauften Anwesenheit beschmutzt habe. Eine Freundin meiner Mitbewohnerin wurde in ‘ner anderen Kirche angeschnauzt, wieso sie ihr Stroh (für einen Weihnachtsbrauch benötigt) in einem normalen Laden und nicht in der Kirche, in die sie anschließend gehen wollte, gekauft hatte, nun sei es nämlich nicht geweihwässert und sie dürfe es eigentlich nicht mit hineinnehmen… Aber natürlich gibt es mit Sicherheit solche und solche, wie eben alle Glaubensrichtungen strengere und laschere Anhänger haben. Ich fand es jedenfalls sehr interessant, bei einem Gottesdienst einer anderen Religion dabeizusein – und frage mich, ob ich daraus nicht eine kleine ‘Challenge’ machen sollte. Vielleicht ist ja meine türkische Studienkollegin einigermaßen anders religiös und kann mich mal mitnehmen?

 

Ich höre gerade:

Carla Bruni – L’excessive | Maroon 5 – She will be loved | Fréhel/ OST Amélie – Si tu n’étais pas là (Lieblingstextstelle: ‘C’est à toi que je dois cette joie profonde’, wegen der Gleichklangspielerei.) | Katzenjammer – I will dance (when I walk away) | Muse – Knights of Cydonia | 30 Seconds to Mars – Beautiful lie

 
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Geschrieben von - 8. Januar 2012 in Alltag, Kultur, Musik, Wien

 

Jahresrückblick

Zeit für ein neues Posting und einen kleinen Jahresrückblick. Würd’ mich freuen, wenn noch jemand Lust hat, den Fragebogen auszufüllen. (: Vielleicht reiche ich noch eine kleine Collage wie Jenny nach.

Held des Jahres: Roger Willemsen :3
Arsch des Jahres: Fran, auch wenn die Leute, vor denen er mich ohne Namensnennung diffamierte, mich nicht kennen. Schön Lügenmärchen verbreiten, wenn man keine Ahnung hat.
Gewinner des Jahres: Adrian? Guter Abschluss und geplantes Studium angefangen und so. Tanja ist auch ein Stück weiter gekommen. (:
Verlierer des Jahres: Eltern
Song(s) des Jahres: Jessie J – Sexy Silk; Butch Walker – You belong with me
Buch des Jahres: Helge Timmerberg, Der Jesus vom Sexshop (und davon hab ich noch gar nichts erzählt! ‘Julia’ war aber auch toll.)
Film des Jahres: Harry Potter 7.2 natürlich. (: Verbunden mit dem Besuchswochenende und Schuluniformfotos. (Was ich mir aber auch nicht verkneifen kann: Midnight in Paris (ach, schon allein der Titel hat mich überzeugt), Black Swan (großartig), Easy A (extrem sympathisch, tolle Korsetts, toller Soundtrack, tolles Parallelgucken mit bestem Freund ^^))
Chara des Jahres: Pippa (Hogwartsplay), weil ich sie zufälligerweise auch in real traf (Mitstudentin in höheren Semestern)
Beste Idee des Jahres: den Kerl, den ich schon ein paar Male in meinen Vorlesungen sah, spontan anzulabern. So ziemlich dieselbe Wellenlänge.
Dümmste Idee des Jahres: genausoviele Muffins wie der Rest zu essen -> Overkill!
Höhepunkte des Jahres: Besuche (von und bei Freunden) und Korsettgelegenheiten (Tanz der Vampire, Halloween)
Tiefpunkt des Jahres: Intermezzodrama (RPG, der sie-sind-füreinander-bestimmt-Freund meines Hauptcharas wird von einer anderen verführt und so gut wie alle Spieler außer mir wissen bescheid) und die Entscheidung meines Freundes, aus Wien wegzuziehen
Entdeckung des Jahres: Klavierspielen, AVPM & Pottermore
Versuchung des Jahres: das Colmarer Bücherantiquariat XD Hab mich beim Spazierengehen durch die Weihnachtsstadt nach gebrauchten französischen Harry-Potter-Ausgaben umgesehen und dann in diesem fabelhaften Laden die Bände 3, 5 und 6 sowie ‘Harry Potter et la Science’ und ein schönes Pariser Modebild aus dem 18./ 19. Jahrhundert abgesahnt.
Erfolg des Jahres: Styles-Serie (siehe Flickr) & noch keine Prüfung vermasselt (abgesehen von den vielen Vierern)
Panne des Jahres: so wenig Prüfungen aus dem zweiten Semester absolviert zu haben
Überraschung des Jahres: Gogos Einzug, Gregor, Amadeo, Antidepressiva (verschrieben gekriegt (die Medikamente, nicht die Menschen O.o))
Enttäuschung des Jahres: Geschichtenideenlosigkeit
Gewinn des Jahres: lustige Stunden mit Freunden :3
Verlust des Jahres: zwei Studienkolleginnen (von der eine noch ein Buch von mir besitzt)
Erkenntnis des Jahres: Nicht zu lang warten und nachdenken, einfach machen.
Das Jahr in drei Stichworten: Lethargie, Kultur, Umzüge

 
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Geschrieben von - 4. Januar 2012 in Alltag, Foto, Hogwartsplay, Kultur, Lesen, Musik, Studium

 

Cirque vicieux

Cirque du Soleil, der Teufelskreis* des Stresses & Co.

Chemie laugt mich ziemlich aus. Ich absolviere dieses Semester (hoffentlich) die chemischen Übungen sowie das Seminar (mit Theorie- und Übungsteil) chemisches Rechnen. Erstere finden einmal in der Woche über vier Stunden statt, letztere sind auf den November konzentriert, also habe ich diesen Monat besonders viel von dem Gedöns um die Ohren. Entsprechend gestresst fühle ich mich grad, zuzüglich gesundheitlicher Angeschlagenheit in verschiedenen Variationen. Und anstatt einen Ausgleich zu schaffen, kommt noch erschwerend hinzu, dass ich in diesem Monat einige soziale Pläne (Besuche und so) habe, die mir weniger Zeit zum Lernen lassen. Schön sind sie, keine Frage, aber der Lernzeitmangel strengt an. Ich bin eben doch eine Trantüte, die viel Zeit für sich und zum Langsamsein braucht…

Aber nun zu den schöneren Dingen, wie dem Besuch des Cirque du Soleil am vergangenen Samstag in der Frankfurter Stadthalle. Naja, so schön hat’s zugegebenermaßen gar nicht angefangen, weil wir (und etliche andere) etwas spät dran waren, sodass wir unsere Plätze mehr oder weniger im Dunkeln finden und dabei einige unentspannte Leute verärgern mussten. Von denen manche allerdings auf unseren Plätzen saßen, öhö. Naja. Das hat mir unangenehmerweise den Kopf in der ersten Hälfte etwas verschnürt, und hinzu kam, dass ich mir das Spektakel irgendwie wesentlich größer vorgestellt habe. Blöde hohe Erwartungen, die man von irgendwelchen aufgeschnappten Dokumentations- und Plakatfetzen hat. :/

Es war kostümmäßig und optisch generell sehr schön aufgemacht, zumindest, was wir von unseren Galerieplätzen erspähen konnten. Das hat mir gut gefallen. :3 Genauso wie die krasse Bühne, die nach hinten hin anstieg, teilweise lange Trampolinstrecken offenbarte und bunt bemustert wurde, je nach zusätzlichen Lichteffekten. Oft wusste ich nicht, wo ich hinschauen sollte, und hatte das Gefühl, immer gerade da zu gucken, wo’s nicht am Allertollsten war. XD Dafür waren die komödiantischen Einlagen, die sich so ziemlich mit den artistischen abgewechselt haben, nicht so ganz mein Fall. Clownshumor ist eben ein bisschen eigen. Aber es passte zum Stil und manches fand ich dann doch witzig, es hätte schlimmer kommen können. :] Zum Glück saßen wir nicht unten, denn da wurden teilweise Zuschauer mit einbezogen und einer auf die Bühne beordert. *grusel*

Auch musikalisch hatte die Show zu bieten – Melodien und Instrumente im Zirkus- und Jahrmarktstil, gepaart mit einer etwas eigenen (und nicht so meinem Geschmack entsprechenden), aber durchaus passenden weiblichen Singstimme. Am Besten gefielen mir insgesamt die verschiedenen Turnereien, insbesondere das für den Schluss aufgehobene Highlight, was wohl viele vor Augen haben, wenn sie an Zirkusartistik denken: an Schaukeln durch die Luft schwirrende und fliegende Menschen. (Künstler, Sportler?) X3

Ansonsten… hoffe ich, dass ich bis zum nächsten Wochenende, an dem ich Geburtstag feiern gehe, die Chemieaufgaben hinkriege und in den beiden Klavierstunden erfolgreich bin (hab mir für 3,50 Euro morgen ein Musikzimmer mit Flügel zum Üben gemietet :3 Mal abgesehen davon, dass ich auch die Stunden mit Lehrerin an einem Flügel verbringen darf!), trotz der Nichtteilnahme am NaNoWriMo mal meine kleine Fanfic fertigkriege und in ein paar anderen Belangen kreativ werde sowie andere Vorlesungen und Haushaltskram nachhole… Es gilt, Briefe zu schreiben (nicht immer nur Postkarten, auch, wenn ich mich immer wahnsinnig über Rückkarten aus Russland freue, die sich in den letzten Monaten häuften), Fotos zu machen und vielleeeicht mal wieder zu puzzlen. Auf der rechten Seite, was ich immerhin schon geschafft habe (im August? September?):

Möge ich mich nicht immer so überfordert fühlen. (x Und ihr euch auch nicht! Alles Liebe!

Ach ja, zum Schluss noch ein paar wieder-/ neu entdeckte Songs:

(für solche Auflistungen liebe ich meinen etwas wirren Musikgeschmack ^^”)

- und die Fußnote:

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*cercle vicieux

 
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Geschrieben von - 9. November 2011 in Alltag, Foto, Kreatives, Kultur, Musik, Studium

 

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Flotter Dreier

Nachdem ich schon länger nichts mehr über gelesene Bücher schrieb, nun drei auf einen Streich.

Ob Shakespeare das gefallen würde? – “Julia” von Anne Fortier.

Aus einem bereits veröffentlichten Blogartikel: Es geht um eine Amerikanerin in den Mittzwanzigern (Julia), die von ihrer Großtante und Adoptivmutter (die leibliche ist mit dem Vater in jungen Jahren bei einem Autounfall in Italien ums Leben gekommen) nach deren Tod zunächst scheinbar nichts von Wert erbt. Ein schwerer Schlag, denn ihre gleichaltrige Schwester Janice, schon immer bei den Mitschülern beliebter – jedoch wesentlich arroganter und unsympathischer -, darf ab jetzt die ganze Villa ihr Eigen nennen. Was Julia von der Tante bleibt: Ein geheimer Brief und ein Schlüssel zu einem italienischen Bankfach. Sie erfährt, dass ihr eigentlicher Name Giulietta Tolomei lautet – und später, bei ihrer Ankunft in Siena, wo sie nach dem Bankfach fragen will, stößt sie noch auf einige andere Absonderlichkeiten, die mit Shakespeares berühmtestem Drama und ihr selbst zu tun haben.

Daran und an dem Erzählstil der Autorin liegt es vermutlich, dass ich es die ersten drei Kapitel (die jeweils mit einem Romeo-und-Julia-Zitat beginnen) über sehr gerne gelesen habe, obwohl ich eine (zugegebenermaßen eher irrationale) Abneigung gegenüber den USA und Italien habe. Manche Male musste ich auch schon schmunzeln über eine typisch amerikanische Naivität, die in der Hauptprotagonistin anklingt, die aber auch auf deren Charakter zurückzuführen ist: Julia ist eher der schüchterne, unbeholfene Typ, der sich ihr bisheriges Leben lang hauptsächlich dadurch definierte, das Gegenteil von ihrer erfolgreichen Schönlingsschwester zu sein.

Etwas mehr werde ich dazu schreiben, sobald ich es fertiggelesen habe, schätze ich. Was mich bisher irritierte: Durchgehend synonymisiert sie ‘Shakespeare‘ mit ‘der Barde‘. Ist das in den USA (oder sogar in England) so? O.o Gut, vielleicht war er ein Barde, aber dass man ihn pauschal ‘der Barde’ (ohne Anführungszeichen) nennt? Fand ich sehr seltsam und zumindest in der Übersetzung unpassend.

Ein interessanter, trotz der Dicke kurzweiliger Roman mit verschiedenen interessanten Themenfeldern. Es geht um eine junge, ziellose Frau, ihr Verhältnis zur Familie (besonders zur Schwester) und einem Familienmysterium, das scheinbar schon länger in ihr steckte und auf dessen Grund sie im fernen Siena (wo die historische Julia mit ihrem Romeo gelebt haben soll) geht, und natürlich um mindestens eine Liebe. Stil, Beschreibungen und Charaktere sagten mir sehr zu, und wer sich von geheimnisvollen bis übersinnlichen Wandlungen nicht die Realitätsnähe der Geschichte rauben lässt, sondern eher noch neugieriger wird, kann sicher ebenfalls Gefallen daran finden. Ähnlich zu einer bereits rezensierten “leichten Frauenlektüre” (Nicht schon wieder al dente!) wurde es zum Schluss hin etwas schräg, aber im Gegensatz zum Roman von Gaby Hauptmann bahnte sich das mystisch-Absonderliche bereits über die ganze Story hinweg an, und ich finde es wesentlich, wesentlich passender. Also: trotz mancher Kritikpunkte schöner, amüsant, spannend. Übrigens hat ihn mir meine Mutter mitgebracht, ich habe das Buch allerdings später auch auf einigen Verkaufstischen entdeckt. Ästhetisch: Die Siena-Karte vorn und das Fresko hinten in der Ausgabe.

Unvorstellbar trotz der Beschreibungen – ’1984′ von George Orwell.

Nun, die meisten werden wohl bereits davon gehört oder es selbst gelesen haben. Eine Welt ohne Privatsphäre, mit maximaler Kontrolle über so gut wie jeden Lebensbereich. Ob die Gedanken da noch frei sind? Winston lebt, vor allem aber arbeitet als Teil der einzigen Partei Ozeaniens (das wohl die englischsprachige Welt umfasst,im Gegensatz zu den beiden anderen Großmächten Eurasien und Ostasien, wo es nicht wesentlich anders abzulaufen scheint) – er gehört zur ‘äußeren Partei’ – nicht zu den wenigen Mitgliedern der ‘inneren Partei’, die sich Freiheiten und Genüsse nehmen können, aber auch nicht zur Großzahl der ‘Proles’, die unbeachtet von der mittleren und oberen Schicht in den schlechten Vierteln vor sich hinvegetieren. Sein Leben besteht – wie das seiner mittleren sozialen Klasse – aus einer Mischung aus Beschäftigungstherapie und Erinnerungstilgung an die Zeit vor der Machtübernahme der Partei und an Widersprüche in der bisherigen Geschichte. Führt man plötzlich Krieg gegen Ostasien statt gegen Eurasien, so wird jedes Dokument umgeschrieben und überall proklamiert, man stünde schon immer mit Ostasien im Krieg. Genauso erfordert der ganze Alltag eines Parteimitarbeiters ständiges Zwiedenken, also die Akzeptanz von Widersprüchen, wenn sie von der obersten Instanz, dem großen Bruder, so festgesetzt wird. Winston tut sich damit (und mit der Untersagung von Sexualität) reichlich schwer und findet in Julia (hach, schon die zweite in diesem Artikel, wenn nicht gar die dritte) eine Gefährtin, mit der er beginnt, passiven Widerstand zu pflegen, obwohl klar scheint, dass das auf Dauer ganz und gar nicht gut gehen kann.

In meinem Rollenspielforum gibt es im Offtopicbereich einen Thread, in dem man ein Buch empfehlen soll, von dem man denkt, dass es jeder gelesen haben sollte. Einige entschieden sich dabei für ’1984′, was ich aufgrund der Beschreibung einer grässlichen Dystopie, die bitte niemals eintreten soll, nachvollziehen kann. Großteils lässt sich der Roman auch gut durchlesen. Allerdings hatte ich ein Problem mit dem langen Abschnitt, in dem aus einem ‘Buch im Buch’ zitiert wird. Politische Verhältnisse etc. werden meiner Meinung nach zuvor schon beschrieben, und zwar anschaulich in relativem Zusammenhang zum Hauptprotagonisten Winston, da tat ich mir schwer, das Ganze nochmals in einem Sachtext aufgearbeitet zu lesen. Mal abgesehen davon, dass man nicht das letzte, essentielle Kapitel lesen darf. Desweiteren ist mir der Schluss in irgendeiner Form zu abstrakt, ich habe jedenfalls nicht ganz begriffen, was mir damit gesagt werden sollte. Vielleicht wussten es Orwells Zeitgenossen besser? Vielleicht weiß es einer von euch besser? Ich freue mich über Information. ^^ Den zahlreichen Empfehlungen werde ich mich nicht anschließen, auch wenn es gut sein mag, zu wissen, worum es im Buch geht, und es anschaulicher wird, wenn man die Seiten zu sich nimmt. Bis zur Mitte des Werks etwa.

Ein Buch wie ein Arte-Film – ‘Der Teezauberer’ von Ewald Arenz.

Warum ich das Buch mitgenommen habe? Nun, der Autor ist ehemaliger Geschichtslehrer einer Freundin, die mir bereits seinen Roman ‘Der Duft von Schokolade’ schenkte, das sogar in Wien spielt und das ich sehr gern gelesen habe. (Offenbar ein sehr olfaktorischer Mensch, dieser Herr Arenz.) Abgesehen davon, dass das Cover grandios ist und ich Tee lieber als Kaffee mag, auch wenn ich mich nicht besonders dabei auskenne. Es ist ein ziemlich schlankes Taschenbüchlein und schnell zu lesen.

Haupthandelnder ist diesmal wieder ein Kerl, Jakob, ohne Bezug zu einer Julia, dafür aber zu einer Luise. Aber das ist nur eine Freundin, die ihn in seinem Teeladen besuchen kommt. Wichtiger: Marietta, seine schöne Frau. Doch obwohl er scheinbar zufrieden ist, ist da noch eine weitergehende Sehnsucht, nach der Ferne, nach Exotik und Frauen, von denen er gelesen und immer wieder gelesen hat und denen er dann plötzlich gegenübersteht. Die große, unbedingte Liebe, eine romantische Idealisierung, oder besser die schlichtere, aber dennoch aufrichtige realistische Liebe im Alltag?

Nebenher werden immer wieder kurze Geschichten aus den letzten Jahrhunderten erzählt, grob synchron mit dem derzeitigen Abschnitt der Storyline – von fernöstlichen Herrschern und Teezeremonien und englischen Teewettrennen. Ganz nett zwischendurch, aber sie hätten besser im eigentlichen Plot verankert sein können.

Ich will nicht zu viel vom Inhalt verraten, aber ich erwische irgendwie immer öfter Bücher, die zum Schluss hin echt absurd werden. Zumal man bei diesem hier nicht mal sicher sein kann, was nur in Jakobs Kopf vorgeht und was tatsächlich passiert, das warf mich schon aus dem Konzept. Es war schön und leicht zu lesen, die Sehnsüchte in ihrer Verzwicktheit ganz gut beschrieben, aber irgendwann driftet es wieder ins Paradoxe ab, wie so mancher abgefahrener Film auf Arte. Ich stehe dieser Unbegreiflichkeit immer hilflos gegenüber, bis ich mir Roger Willemsens Worte in Erinnerung rufe: Kultur ist Überforderung. Ein Roman für ästhetisierende Romantiker.

 
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Geschrieben von - 22. Oktober 2011 in Blog, Kultur, Lesen

 

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Stromkilometer 1.918,3 – Friedhof der Namenlosen

Wenn man für längere Zeit in Wien ist und den Film ‘Before Sunrise’ mit Ethan Hawke und Julie Delpy gesehen hat, gibt es ein paar Orte, die man gern besuchen würde. Zu diesen gehörte für mich der Friedhof der Namenlosen – den ich beim letzten Besuch meiner Eltern hier sehen wollte. Praktischerweise, denn die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht ganz unkompliziert, und so nahmen wir dann doch das Auto.

Unbekannt

Es gibt ein paar amüsante Ortsnamen in und um Wien, unter anderem auch: Alberner Hafen (Teil des Bezirks Simmering). In diesem industriegebietigem Gebiet findet man nach einigem Suchen und Passieren von Zulieferstraßen auch ein Schild, das auf den Friedhof der Namenlosen hinweist. Hinauf und hinunter die Stufen um den Rundbau der Kapelle, dann steht man vor dem Eingangstor. Doch worum handelt es sich bei diesem mysteriösen Friedhof genau?

Namenlos

Nun, die Lage nahe des Hafens ist nicht zufällig. Bis vor einigen Jahrzehnten befand sich bei dieser Stelle in der Donau – Stromkilometer 1.918,3 – ein Wasserwirbel, der Treibgut an Land spülte, darunter Wasserleichen. Wer sie waren, woher sie kamen, wie sie starben, war in den meisten Fällen nicht auszumachen. Man beschloss, sie zu begraben. Zwar ließ man sie dafür nicht zum nächstgelegenen Friedhof bringen, doch angeblich wurden sie auch nicht einfach verscharrt, sondern in Holzsärgen bestattet. So entstand der Friedhof der Namenlosen.

Unvergeßlich

Als wir ihn im August besuchten, waren die Gräber von allerlei Gräsern und Farnen überwuchert. Trocken, heiß und stickig das Wetter. Irgendwie passte es nicht zum Ort, aber die geheimnisvollen Kreuze und Schilder für die anonymen und identifizierten Toten ergänzten die Stimmung um das fehlende Traurige, Mystische. Inspirierend bei den Gedanken an die vielen unerzählten Geschichten, von denen sich zumindest Abrisse auf den Schildern derer zeigen, über die etwas in Erfahrung gebracht werden konnte.

Julius Behnken aus Hamburg – 11.12.1860 – 15.3.1923

Manchen Gräbern sieht man sogar an, dass sie für Kinder geschaufelt wurden. Spielzeug, buntes Brimborium. Ein schlammgrünes, von der Witterung mitgenommenes Stoffkrokodil tarnt sich im Gras an “Sepperls” Grabstätte. Auf einem anderen steht:

Hier ruht Wilhelm Töhn, ertrunken durch fremde Hand am 1. Juni 1904 im 11. Lebensjahr

Selbstmörder sollen natürlich auch viele darunter gewesen sein. Joseph Fuchs, der vor einigen Jahren verstorben ist und sich seit Ewigkeiten – früher ehrenamtlich – um den Friedhof der Namenlosen kümmerte, konnte davon vermutlich ein Lied singen, zumal der im Jahr 1906 Geborene noch die aktive Phase miterlebte. Seit etwa 1940 werden hier keine Wasserleichen mehr bestattet, darum kümmert sich nun der Zentralfriedhof. Mal abgesehen davon, dass der Wasserwirbel beim Hafenumbau beseitigt wurde und nun längst nicht mehr so viel angespült wird wie einst.

Rosa Majewsky ~     1912-1930

Abgesehen von gelegentlichen Besuchern finden sich hier vor allem am Sonntag nach Allerseelen etliche Menschen ein. Dieser Brauch mit Kranzlegung hat sich eingebürgert. Der Fischerverein lässt ein Floß aus Blumen und Kerzen zu Wasser, versehen mit einem dreisprachigen “Den Opfern der Donau” (deutsch, tschechisch, ungarisch) und der Bitte, das Floß bei Bedarf weiterzustoßen. Vielleicht finde ich ja mal Zeit dafür, ich würde es gern mit ansehen.

Im Bereich zwischen Dammkapelle und Hafeneinfahrt befand sich einst der alte Friedhof der Namenlosen, der im Jahre 1900 aufgelassen wurde. 478 Opfer des Stromes liegen heute noch dort bestattet.

Dieses Schild findet sich an der Rückseite der Kapelle, und nach einem Abstecher an das, was wohl die Hafeneinfahrt oder etwas ähnliches ist, hat meine scharfäugige Mutter auch den alten Friedhof entdeckt, nachdem wir zuvor erfolglos Ausschau gehalten haben, obwohl wir direkt daran vorbeiliefen. Er befindet sich auf der anderen Seite einer verrosteten, im Nichts endenden Schiene, von den Bäumen sicher schon teilweise überwachsen. Der alte Teil wurde früher noch teilweise überflutet, was ein Grund dafür sein könnte, dass sie hundert Meter weiter siedelten.

Und es liegt eine gewisse Ironie in der Tatsache, dass sogar die beiden Friedhofsteile nun seit mehr als einem halben Jahrhundert Schilder tragen, wie sie die Gräber zieren:

[Alter] Friedhof der Namenlosen   1840-1900

[Neuer] Friedhof der Namenlosen   1900-1935

 

 

 

 

 

 

 

 
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Geschrieben von - 21. September 2011 in Alltag, Foto, Kultur, Wien

 

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